FeedVorstehender Hund
Sport & SpielRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Vorstehender Hund, Chien Couchant, ein Hund, welcher zum Feldhüner- und Wachtel-Fang abgerichtet ist. Es giebt derselben unterschiedliche Arten, davon eine grau und braun gesprengt mit etlichen braunen Flecken, für die beste geachtet wird. Eine andere Art, die weiß oder Aschen-farb, braun oder Semmelfarb gefleckt, suchet auch gut, ist aber besser zum Beissen als zum Hetzen, weil sie kurtz vor dem Mann suchen, welches zum Beissen nöthig ist, damit, wenn der Hund etwas ausgestöbert, der Vogel in gehöriger Weite ausgelassen werde. Die andern, so zum Tiraßiren abgerichtet, nehmen ein grosses Feld ein, und refieren schnell hin und wieder, bis sie einen Geruch von Hünern bekommen, welches der Weidmann alsobald vermercket. Wenn man einen vorstehenden Hund abrichten will, muß er von Jugend auf zum Gehorsam gewöhnet werden. So oft man ihm sein Fressen giebt, läst man ihn eine halbe oder gantze Viertel-Stunde davor liegen und couche machen, oder allein stehen, welches letztere einigen Jägern besser gefällt, ehe man es ihn angreiffen läst. Zuletzt werden ihm zahme Wachteln und Rebhüner vorgeleget, davor er gleichfalls stehen muß, bis er tiraßiret wird. Und damit er ihnen keinen Schaden thun könne, wird ihm anfänglich das Maul verbunden. Weil sie von Natur begierig sind, bedörffen sie einer scharffen Zucht, dieselbe soll aber nicht mit einem Stock, sondern mit einem Rütlein oder Peitsche geschehen, und nicht auf dem Kopf, weniger auf die Nase treffen; doch mag man sie wohl bey den Ohren ziehen. Und weil sie mehr aus Freudigkeit als aus Bosheit fehlen, soll die Bestraffung ihre bescheidene Masse haben, damit sie nicht faul und verdrossen werden. Hingegen, wenn sie wohl gethan, soll man nicht vergessen, ihnen schön zu thun. Wenn er also abgerichtet, daß er den Vogel kennet, und den Tiraß leidet, mag er ins Feld geführet, und wo er gar zu weit ausschweiffen wolte, im Anfang an einem langen Seil gehalten werden. Wenn also ein Hund wohl abgerichtet, ist am besten, daß nur einer, oder aufs höchste zwey mit ihm umgehen, dieweil, wenn er von Leuten, die es nicht recht verstehen, oder seine Weise nicht wissen, ins Feld geführet wird, er irre gemacht und leicht verderbet wird, daß man Mühe hat ihn wieder zurechte zu bringen. Daher auch, wer einen abgerichteten Hund von einem Fremden kauffet, wohl thut, wenn er mit seinem Meister zwey oder dreymal ins Feld gehet, und wohl in acht nimmt, wie derselbe mit ihm umgehet, damit er bey derselben Weise bleibe. Sie sind von Natur treu, und bey einem bekannten williger, als bey einem fremden. Wenn man sie gut erhalten will, soll man ihnen frischen Rebhüner-Koth oft in die Nase reiben, und allezeit das Eingeweide von den Rebhünern und Wachteln zu fressen geben.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 2287–2288Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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