Knieschneiden, Jst eine Art zu jagen, absonderlich auf der Ochsen-Jnsel in America, in der Bucht von Campeche, gebräuchlich, welcher die Spanier gar sehr ergeben, und darzu hurtig und geschickt sind. Einige treiben es das gantze Jahr hindurch, und werden daher in dieser Uibung sehr erfahren. Derjenige, der den Streich verrichten will, muß auf einem guten Pferde sitzen, welches zu dieser Jagd abgerichtet, und sowol vor als hinter sich, wie es die Gelegenheit erfodert, zu weichen weiß, daß der Reuter fast keine Mühe mit dem Lencken haben darff. Sein Gewehr ist ein Eisen, in Gestalt eines halben Monds, überaus scharff, und von einer Spitze bis zur andern ohngefehr 6 bis 7 Zoll breit. Dieses Eisen wird mit seinem hohlen Stiele an eine schwancke Stange, 14 bis 15 Fuß lang feste gemacht. Wenn nun der Reuter auf dem Pferde sitzet, leget er den Spieß auf des Pferdes Kopff, mit dem Eisen vorne hinaus, und rennet damit auf den Ochsen zu. Sobald er nahe genug, hauet er nach dem Knie, und schneidet ihm, wo möglich, oberhalb desselben, die Sennen entzwey. Hierauf thut das Pferd nach der lincken Hand einige Sätze, weil der verwundete Ochse alsobald aus vollen Kräfften auf den Reuter zuläufft, der denn die Flucht geben, und einen weiten Fleck reiten muß, ehe er noch einmal ansetzen darff. Sind nun gleich die Sennen dem Ochsen vom ersten Schnitt nicht gäntzlich entzwey, so zerreisset er sie doch fast allzumal, indem er den Fuß in der Lufft hefftig schüttelt, daß er hernach nur auf drey Beinen lauffen kan, dem aber ungeachtet, eilet er auch hinckende nach seinem Feinde, sich an ihm zu rächen. Endlich macht sich der Reuter noch einmal mit sachten Schritten an den Ochsen, und giebt wohl Achtung, daß er mit dem Eisen einen gewissen Streich auf das Knie eines Vörder-Fusses anbringet, worauf denn der Ochse augenblicklich zur Erde stürtzt. Wenn dieses geschehen, steigt jener behende vom Pferde, und hat ein grosses spitziges Messer bey der Hand, welches er so geschicklich in das Genicke ein wenig hinter den Hörnern einzustossen weiß, daß der Kopff von diesem eintzigen Schnitte herunter muß, welches sie köpffen heissen. Hiermit setzt er sich wieder zu Pferde, und suchet einen andern Ochsen zu verfolgen, da indessen schon Leute vorhanden sind, welche diesem die Haut abziehen. Die Spanier tödten niemals etwas anders, als Ochsen und alte Kühe, das junge Vieh aber lassen sie fort wachsen, und erhalten also die Heerden völlig. Das rechte Ohr eines solchen Jagd-Pferdes hänget stets abwerts, welches von der Schwere des Spiesses herkommt, als welcher in währendem Jagen darauf ruhet, daran auch dergleichen Pferde vor andern zu erkennen.