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PflanzenreichRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Krebs, Jst auch eine Baum-Kranckheit, welche von einigen der Fresser genennet wird, weil er die Rinde wegfrisset, als welche hin und wieder oft Puckeln aufwirfft und aufspringet, worauf bald da bald dort ein Ast abstehet und verdirbet, und die noch grünenden und frischen entweder gar keine oder doch wenig Früchte tragen, massen der Krebs, als ein innerlicher Zustand, dem Baum nach und nach alles Vermögen, und die völligen Kräffte entziehet. Da der Krebs auch an denen Wald-Bäumen gefunden wird, so ist die Ursache desselben am sichersten dem aufwallenden überflüßigen geilen Saffte zuzuschreiben, woraus auch der Brand zu entstehen pflegt. Denn wenn dieser Safft ins Aufwallen kömmt, und keinen Ausgang findet, so muß er ersticken und verderben, welches denn auch der Anlaß zu der aufgeworffenen Rinde ist. Findet man dergleichen Schaden an einem Baum, so muß man denselben, so weit die Rinde aufgelauffen ist, bis auf das frische Holtz mit einem scharffen Pfropff-Messer hinweg schneiden, hernach den Ort mit einer darzu gemachten Baum-Salbe bestreichen, und ferner mit frischem Schweine-Mist, so mit Leimen vermenget, überschmieren, so wird es wieder auswachsen, und der Krebs sich verlieren. Man kan auch im Februario, da man ohnedem die Bäume säubert, einen kleinen Bohrer ohngefehr eines kleinen Fingers dick nehmen, und damit in den Stamm desjenigen Baumes, woraus man vorher den Krebs schon geschnitten haben soll, etwan 3 Löcher bis auf den Kern bohren, und hernach von Wacholder-Holtz gleicher Dicke Zäpfflein hinein schlagen; auch forthin des Baumes mit Abschabung des Mooses, Ausräumung des Unflats aus den Zwieseln, und in andere Wege, wohl warten.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1253–1254Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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