Leipzig, Lipsia, Jst eine reiche Handel-Stadt, gute Festung, und eine berühmte Universität. Sie liegt in Meissen an dem Fluß Pleisse genannt, ist mit Thürmen, Pasteyen, Schantzen, Brustwehren und Wasser-Gräben wohl versehen, hat schöne und prächtige Häuser mit kostbaren Erckern, absonderlich auf dem Marckt, die sich jährlich in ihrer Anzahl vermehren. Das Land herum ist sehr fruchtbar, eben und sehr lieblich anzusehen. Die Stadt hat 3 berühmte Messen, nemlich die Neu-Jahrs-, Jubilate- und Michaelis-Messe. Die Kirchen zu St. Thomæ und St. Nicolai werden unter die allerschönsten Lutherischen Kirchen in Deutschland gerechnet; die so genannte Neue und Peters-Kirche geben den andern an Schön- und Kostbarkeit wenig nach. Jngleichen sind auch wohl zu besichtigen das Schloß, oder die Festung Pleissenburg, so an einem Eck der Stadt liegt, item das Rathhaus, die auf Jtalienische Manier erbaute Börse, das Zeug- und Zucht-Haus, verschiedene Raritäten-Kammern, des Raths Bibliothec, der Gottes-Acker zu S. Johannis, auf welchem eine feine Kirche und sehr viel schöne Epitaphia zu finden, und die vortrefflich schöne Baum- und und Blumen-reiche Frucht- und Lust-Gärten um die gantze Stadt. Jedoch ist allda nichts herrlichers als die Universität, welche Anno 1409 von Friderico Chur-Fürsten zu Sachsen gestifftet, und mit vortrefflichen Privilegiis ist begabet worden. Sie bestehet in vier Nationen, nemlich Sachsen, Meissen, Bayern oder Francken, und Polen, und hat eine iede ihre besondere Matricul, auch erwehlet man aus diesen Nationen alle halbe Jahre einen Rectorem Magnificum. Es hat diese Universität 6 schöne Collegia, als das grosse und kleine Fürsten-Collegium, das Marianum oder Schlesische Collegium, das neue oder rothe Collegium, Juristen-Collegium oder Petrinum, das Pauliner-Collegium, in diesem letztern ist eine wohl versehene Bibliothec und Kirche. Von denen Professoribus sind in der Theologie 4, in den Rechten 5, in der Medicin 4, und 9 in der Philosophie, und also in allen 22 Professores, welche statliche Salaria haben. Auch haben die Magistri absonderliche Societæten, in welchen sie zu gewissen Zeiten zusammen kommen, und von allerhand schönen Sachen zu discouriren pflegen. Jm übrigen floriret anietzo diese Universität vor vielen andern, und befinden sich daselbst die Studenten in grosser Anzahl. Die Catholischen haben auf dem Schlosse, die Reformirten in dem Amt-Hause ihren Gottes-Dienst. Das Wappen der Stadt Leipzig ist einmal getheilet, und führet vornen einen zum Streite bereiteten goldenen Löwen mit offenem Rachen, vorgeschlagener rother Zunge, doppelt in die Höhe gewandten Schwantze und Waffen, im blauen Felde; hinten aber hat es 2 blaue Pfäle im goldenen Felde.