Magdeburg, Die Hauptstadt des Hertzogthums Magdeburg, eine der grösten Städte in Deutschland, an der Elbe, umgeben mit starcken Mauren, guten Wällen und Gräben, sie hat breite Gassen, prächtige Kirchen und wohlgebauete Häuser. Die Dom-Kirche zu S. Moritz ist insonderheit zu besichtigen, welche eines von den prächtigsten Gebäuen in Europa ist, worinnen kunstreiche Bildnisse, etliche Antiquitäten vom Leiden Christi, die Capelle worinnen 2 Ottones Römische Kayser begraben liegen, des Ablaß-Krämers Joh. Tezels Ablaß-Kasten, der Taufstein und die 2 Orgeln zu sehen. Zugleich ist das am Dom-Platz gelegene schöne Königliche Haus, die rare Wasser-Mühle, und die an der Elbe neu erbauete Festung oder Citadelle wohl zu sehen. Es ist in der Stadt ein hohes Evangelisches und 3 andere Stiffter, und seit 1715 die Magdeburgische Landes-Regierung, Consistorium und Cammer; die Herren-Messe um Mauritii stehet 8 Tage. Vor der Stadt lieget das Kloster Bergen. Jn der Neustadt, so einen Büchsen-Schuß davon, befindet sich das Collegiat-Stifft SS. Petri & Pauli, wie auch das Catholische Kloster S. Agneten. Von dieser Stadt führet den Nahmen
1) das Hertzogthum Magdeburg, welches vorher ein Ertz-Bißthum war, welches Kayser Otto I gestifftet, im Westphälischen Frieden aber weltlich gemacht, und an das Chur-Haus Brandenburg auf ewig überlassen ward, wie es denn auch 1680 zum wircklichen Besitz gelangte.
2) Das Burggrafthum Magdeburg, welches dem Chur-Hause Sachsen als ein sonderbares Reichs-Lehen zustehet. Allhier hat Kayser Heinrich I den ersten Turnier auf dem so genannten Werder Anno 938 in der Heil. drey König-Woche 3 Tage nach einander gehalten, da dann bey solchem Ritterspiel sich nebst dem Kayser und seinen 2 Söhnen, 75 Fürsten aus denen Rheinischen, Schwäbischen, Bayerischen und von denen Fränckischen Kreisen befunden, dann 134 Grafen, und in allen 2091 Helmen. Es hat aber nicht die Meinung, als ob Kayser Heinrich das Turnieren bey den Deutschen zuerst aufgebracht, immassen solches lange zuvor üblich und im Gebrauch gewesen, auch an Kayser Carln dem ersten, und dessen Sohn König Carln zu sehen, auch aus den alten Helden-Büchern wahrzunehmen: Es sind aber nachhero dergleichen Turniere mehr aufgebracht, und in dem Römischen Reiche 36 zu gewissen Zeiten gehalten, und mit verschiedenen Gesetzen vermehret worden.