Lock-Ente, Jst eine zahm auferzogene wilde Ente, welche, andere wilde Enten auf dem Enten-Fang zu locken, abgerichtet ist. Man muß sie aus wilden Enten-Eyern durch Haus-Hüner oder zahme Brut-Enten ausbrüten lassen, und denselben, wenn sie noch jung sind, gewisse Kennzeichen auf den breiten Schnabel schneiden, nach welchem Schnitt die Haut des Schnabels abgezogen wird, damit man die Lock-Enten vor andern erkennen möge; sie können auch an den Füssen ein wenig gemercket werden. Man muß ihnen täglich Haber in die Röhren vorwerffen, damit sie gerne hinein gehen; in diesen Röhren müssen sie länger denn sechs Wochen zur Abrichtung sitzen; solche Röhren werden vorn und hinten wohl und fest zugemacht, und die Lock-Enten darinne mit allerley Getraid oder auch grünen Kräutern, als Erbsen, Bohnen und andern dergleichen annoch unreiffen Früchten, so man vorhero klein schneiden muß, ingleichen mit Trebern gespeiset. Der Entenfänger oder Weidmann, der diese Enten zum Fangen abrichtet, muß ihnen iedesmal selbsten die Körner vorwerffen, dabey mit Reden und Pfeiffen sich hören lassen, auch seine auf den Entenfang abgerichtete Hunde bey sich haben. Wenn sie also obgedachte Zeit über eingesperret gesessen, und des Weidmanns Person, Stimme und Pfeiffen wohl kennen, auch der Hunde und des Haber-Vorwerfens wohl gewohnt sind, werden sie losgelassen, und ihnen gegönnet, daß sie des Nachts selber auf die Fütterung fliegen, dabey giebt man ihnen gleichwol des Tages satt, und wartet ihrer fleissig, damit sie gerne wieder kommen, und auf dem Teiche seyn, auch die fremden mit ihrem Geschrey herbey locken. Wenn die also abgerichteten Lock-Enten der Röhren wohl gewohnet, alsdenn bricht man ihnen allgemählich am Futter ab, und giebt ihnen nach Gefallen, des Morgens, Mittags und um Vesper-Zeit, hernach begeben sie sich selbsten auf die Fütterung. Sie müssen das erste Jahr gegen das Ende des Sommers eingesperret, und so lange innen gehalten werden, bis im Herbst der Enten-Zug vorbey, und sie recht gewohnet sind, so ziehen sie nicht leichtlich weg. Wenn im harten Winter die Wasser zugefrieren, muß man die Lock-Enten, so lange die grimmige Kälte währet, in einen warmen Stall einsperren, und sie darinnen speisen, weil sie sonst leichtlich zu Schaden kommen können.