Pantera, Jst ein viereckigtes, dreyfaches, auswendig beyderseits mit Spiegeln, und inwendig mit einen subtilen weiten Jnngarn (wie die Hüner-Steckgarne) wohl versehenes Garn, womit allerhand grossen und kleinen Vögeln, als Drosseln, Amseln, Mistlern, Kernbeissern, Krammets-Vögeln, Fincken und dergleichen gestellet, und dieselben in Menge damit gefangen werden. Der zugerichtete Platz, welcher mit der Pantera umzogen ist, und an dem einen Ende in der Mitte eine Hütte haben muß, wird Roccolo genennet. Unter allen Arten von Vogel-Fängen ist dieser mit der Pantera oder Roccolo ohnstreitig der vornehmste, lustigste und einträglichste, wiewol auch, so viel die Garne und Zubereitung des Platzes anbetrifft, der kostbareste, und wird solcher sehr starck in Jtalien, Oesterreich und Tyrol practiciret. Man erwehlet darzu einen Ort, wo dergleichen Vögel, die man fangen will, ihren Strich zu haben, in einem Vorholtze, das aus jungem Schlag bestehet, oder auch in einer Aue, und richtet ihn folgender Gestalt an: Die Seite, so just der Hütten gegen über ist, ingleichen die beyden Neben-Seiten sind iede vier und sechtzig Ellen lang, die Seiten von der Neben-Seiten bis zur Hütten, sind iegliche die Helffte erstbemeldter Länge, nemlich zwey und dreyssig Ellen, um und um bis zu der Hütten ist ein vierthalb Ellen breiter Gang, auf beyden Seiten mit schönen grünen Bäumen in guter Ordnung bepflantzet. Jnwendig in diesem Gang werden die Garne, oder Pantere aufgerichtet, fest angezogen, und die grossen Spiegel-Maschen unter sich am Boden mit Hacken fest angespannet, damit das Jngarn leichtlich hin und wieder gezogen, und dadurch die Vögel desto schneller können gefangen werden. Die Bäume, zwischen denen die Pantera zu stehen kommt, müssen etwas höher als dieselbe seyn, auch unten herum, desgleichen auch innerhalb, so hoch die Netze reichen, damit solche von den Aesten nicht berühret, noch darein verwickelt werden mögen, vorhero wohl ausgeschneidelt, obenher, inwendig sowol als aussenherum aber dick und ästig gelassen werden. So hoch nun diese Bäume ausgeschneidelt sind, so hoch muß auch der Roccolo um und um mit einem Zaun umgeben und eingefangen seyn, damit kein wildes oder heimisches Thier in die Garne kommen, und selbige zerreissen möge, weil diese fast bis auf den Boden hinunter gehen müssen. Jm mitlern Platz des Roccolo sind grosse dürre Fall-Reiser, wie sonsten auf Krammets-Vogel-Herden gebräuchlich, gesetzet; diese müssen um einen halben Mann höher seyn, als die Garne. Ferner müssen ausserhalb dieser Fall-Bäume herum allerley Bäume sich befinden, welche iedoch nicht so hoch als diejenige, so um die Pantera stehen, seyn dörffen, dergestalt, daß der gantze Platz gleich einem lustigen Baum-Garten anzusehen ist. Die Hütte ist neun bis zehen Ellen hoch in zwey Stockwerck eingetheilet; in dem untersten werden die Vögel gehalten, in dem obersten aber der Vogelsteller mit denenjenigen, so dieser Lust mit geniessen wollen. Nicht weit von der Hütte sind drey ohngefehr vier bis fünffthalb Ellen hohe, oben mit grünen Rasen bedeckte Bühnen, auf welchen man die Ruhr-Vögel hat, so man von der Hütten ausziehen kan; die mitlere Bühne muß am nächsten vor der Hütte zwey Klaffter oder 6 Ellen lang, und zwey Ellen breit, die kleinen aber recht viereckigt, und zwey bis dritthalb Ellen breit seyn. Jst der Roccolo solchergestalt zugerichtet, so hebt man um Bartholomäi an, solchen zu bestellen; da muß man denn gute verhaltene singende Lock-Vögel von Drosseln, Amseln und Mistlern in Bereitschafft haben, in Ermangelung derselben aber ihren Gesang mit einem Pfeifflein nachzuahmen wissen. Die singende Lock-Vögel müssen in dem Roccolo um die Fall-Bäume herum in ihren Ständen mit Tannen-Gras, bedeckt, Claffter hoch stehen, und nie verwechselt werden; wenn nun auf ihr Locken fremde Vögel herzu fliegen, und sich auf die Fall-Reiser oder Bäume setzen, so werden aus dem obern Zimmer durch gewisse darzu gemachte Schieß-Löcher, vermittelst einiger Pallester die Pfeile oder Poltzen, welche fast wie fliegende Habichte formiret sind, abgedrücket, die denn ohngefehr Claffter hoch oberhalb den Fall-Bäumen über die fremden angekommenen Vögel hinfahren, welche in Meinung, es sey ein Habicht, aus Furcht vor denselben mit grossem Ungestüm niederschiessen, und indem sie sich in den ausser und innerhalb des Garnes stehenden Bäumen zu salviren vermeinen, darüber in die Pantera gerathen, und in solcher hangen bleiben. Diejenigen, so sich in der Höhe fangen, daß man sie nicht erreichen kan, werden mit Hülffe einer freystehenden einfachen Baum-Leiter, auf die man in die Höhe steigen kan, gar beqvem ausgenommen. Etliche bedienen sich bey dem Roccolo auch einer Eule, die Vögel zum Einfallen desto besser anzulocken. Auf solche Weise werden von allerhand Arten zu mancher Zeit in die tausend Vögel gefangen, welches sonst auf keinem Vogel-Fang geschehen kan. Die Pantera muß folgender Gestalt gestricket werden. Das Jngarn, so qver gegen der Hütten über zu stehen kommt, muß man mit vierzehen hundert Maschen zu stricken anfangen, und in der Höhe ein und dreyßig Fuß haben. Die grossen Spiegel aber müssen mit 140 Maschen angefangen werden, und in der Höhe neun und einen halben Spiegel haben; die zwey grössern Panteren aber muß man mit 2100 Maschen angefangen, die Höhe aber mit der ersten gleich halten; die Spiegel fängt man mit 2010 Maschen in gleicher Höhe an. Diese Panteren müssen wie die Steck-Gärnlein eingerichtet seyn, ausser daß oben, wo die grosse Leine ist, gedrehete Ringlein von Horn eingemachet werden, damit man die Pantera zusammen und wieder von einander ziehen kan, welche man und zwar iedes Stücke Garn oder Pantera, insonderheit an zweyen kleinen oben an die Latten angeschraubten Rädlein oder Kloben, und durch diese durchgezogene Hangleinen, als daran die beinerne Ringlein sind, so offt es beliebig und vonnöthen, nieder zu lassen, und wieder aufzuziehen pfleget. Die Panteren und Roccoli zu den Fincken und andern kleinen Vögeln werden eben auf diese Weise eingerichtet, die Garnen sind in gleicher Höhe, aber viel kleiner im Umkreise, die Fall-Bäume müssen nicht innerhalb der Pantera, sondern ausserhalb derselben, drey Ellen weit davon gesetzet werden; so muß auch der Gang, wo die Garne in der Mitten stehen, oben wie ein abschüssiges Dach von Latten gemacht, und mit Tannen-Reiß bedeckt seyn, weil sonsten die Fincken, wenn sie nahe an das Garn kommen, über dasselbe aufsteigen würden; muß also an der Fincken-Pantera das Garn gegen der Hütten über mit 800 Maschen, und die zwey längern bis zu der Hütten mit 1200 angefangen werden; die Höhe erstrecket sich, wie bey der grossen Pantera, auf 31 Fuß. Die grossen Spiegel-Maschen müssen gegen der Hütten über mit achtzig, und die Seiten-Panteren mit 120 Spiegeln angefangen seyn, und iede zehendhalbe Spiegel hoch werden. Jn dem Oeconomischen Lexico ist Tab. XI, Fig. 2 der Abriß einer Pantera in Kupffer vorgestellet worden.