Manieren, Jn der Music, hiessen ehemals mit ihrem Kunst-Nahmen Coloraturen und Figuren, wurden auch nicht eben übel in einfache, zusammengesetzte und vermischte getheilet. Es sind aber solche Zierathen, da ein geübter Sänger oder Jnstrumentist seine Partie anmuthig, geschmückt und künstlich heraus zu bringen-weiß. Sie gründen sich mehr auf die Ausübung selbst, auf den Geschmack und auf die mit Vernunft eingeführte Manier, als auf gewisse Regeln; ob man gleich überhaupt eines und das andere davon lehren kan. Wenn sie mäßig und geschickt angebracht worden, sind sie allerdings hoch zu schätzen: dargegen übel und zur Unzeit angebrachte Verwirrung und Eckel verursachen, und manche schöne Melodie verderben. Sie erfordern Fertigkeit und Behutsamkeit, und lassen sich besser bey Jnstrumenten als bey Singe-Stimmen anbringen. So sind sie auch nicht alle beständig, sondern halten die Mode mit, dergestalt, daß das, was vor einigen Jahren anmuthig klang, anietzo nicht so gerne mehr gehöret wird. Der Accent, Schleuffer, Vorschläge etc. sind die dauerhaftesten.