FeedMarder, Marter
PflanzenreichRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Marder, Marter, Jst ein wildes Raubthier, dessen es zweyerley Gattungen giebt, nemlich Baum-Marder und Stein-Marder. Die Baum-Marder sind viel kleiner als die wilden Katzen, aber grösser als die Jltisse, von schöner Castanien-brauner Farbe, unter der Kehle gelblicht, ihre Haare sind weich, zart, gelinde und dick zusammen gewachsen, dahero auch ihr Balg weit höher als der Stein-Marder gehalten, und ihnen um dessentwillen der Nahme Edel-Marder beygeleget wird. Sie halten sich gerne in Buchen-Tannen- und Fichten-Wäldern in hohlen Bäumen auf, worinnen sie so hartnäckig stecken, daß sie öffters die Bäume mit sich umfällen lassen, ohne sich zu regen, bis sie aus Noth heraus müssen; des Tages pflegen sie sich auch in wilden Tauben-Nestern, Raub-Vögel-Horsten und Eichhörnleins-Nestern zu verbergen. Jhre Nahrung sind Mäuse, Eichhörner und Vögel, welche letztere sie insonderheit des Nachts auf denen Bäumen, wo sie ihre Nester haben oder schlaffen, überschleichen und fressen. Sie trachten auch dem Honig sehr nach, und scharren dahero denen Hummeln ihre Nester aus, wiewohl ihre Bälge von dem vielen Honig-Essen nicht so gut bleiben, sondern Flecken bekommen, welche man Honig-Flecken nennet. Sie streichen des Nachts weit herum, springen auf die Bäume und gleich denen Eichhörnlein in der Höhe fort, also, daß man ihrer öffters auf dem Boden, auf etliche hundert Schritte nicht gewahr wird. Wenn sie einen grossen Vogel, der ihnen zu starck ist, z. E. einen Auerhahn, Birckhuhn oder Fasan erwischen, und der Vogel fliegt davon, so bleiben sie ihm auf dem Rücken sitzen und beissen ihn so lange, bis sie mit ihm zur Erde fallen. Sie pflegen den Vögeln in der Brut-Zeit ihre Eyer, ohne solche zu zerbrechen, durch ein kleines darein gebissenes Löchlein auszusauffen. Jhre Brunst geschiehet im Januario, und setzen im Martio, nach neun Wochen, drey oder vier Junge auf einmal, welche von denen Alten mit jungen Vögeln auferzogen werden, wobey jene insonderheit wohl wahrzunehmen wissen, daß sie an dem Orte, wo sie ihre junge liegen haben, nicht leichtlich etwas rauben werden, um dadurch sich nicht ausspüren oder mercken zu lassen. Jhre Losung ist wider die Natur aller andern so wilden als zahmen Thiere dem Menschen sonderlich angenehm, und riecht fast wie Bisam. Die

Stein-Marder sind etwas kleiner und falbigter, haben eine weisse Kehle, und halten sich in Fels-Löchern und Steinritzen, auch in alten Gemäuern, und unter den Dächern der Häuser, Scheunen, Ställe und anderer Gebäude auf. Sie sind sonderbare Liebhaber von jungen Tauben, Hünern und andern Geflügel, welches die Haus-Mütter öffters mit ihrem grösten Schaden gewahr werden, massen sie in den Hüner-Häusern, wenn sie einmal darein gerathen, dergestalt fleißig arbeiten, daß, so sie nicht geschrecket, und davon gejaget werden, selbige vielmal kein Hun beym Leben lassen, sondern so lange würgen, bis sie alle erlegt sind, und, welches das verwunderlichste ist, so beissen sie denen Hünern allen im Genicke die Köpffe entzwey. Was sie würgen, schleppen sie nach ihrem Lager ins Heu, Stroh, oder sonsten in ein Loch. So sie nichts anders bekommen können, sauffen sie dem Geflügel die Eyer aus, und gehen denen Mäusen nach. Sie bleiben nicht allein beständig an der Erde, und lassen sich spüren, fondern sind auch durch weniges Klopffen in Scheunen, Ställen, Häusern, alten Gemäuern, und dergleichen leichtlich rege und flüchtig zu machen. Sie brunsten auch im Februario, tragen 9 Wochen, und haben im April ihre Jungen. Sowol der Baum-als Stein-Marder pflegen in der Brunst sich einander zu beissen und sehr zu schreyen, daß es bey der Nacht weit zu hören, ihre Junge aber werden blind gebohren. Wenn die jungen Baum-Marder bey den Leuten mit Milch erzogen werden, spielen sie gerne, sonderlich wenn man sie mit einem jungen Hunde erziehet; sie werden im Spielen nicht leicht böse gemacht, aber, wenn sie fressen oder schlaffen, muß man sie zu frieden lassen. Die Marder werden am besten mit denen Fall-Eisen, Marder-Fallen, und Marder-Garnen gefangen, aber nicht gerne geschossen, weil der Balg durch das Schiessen leichtlich verderbet wird. Es giebt aber dieser Balg ein trefflich Rauchwerck ab, so man entweder gefärbt oder ungefärbt zu Frauenzimmer-Müffen, Palatinen und mancherley Gebräme vielfältig verbrauchet.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1427–1430Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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