Meisen-Hütte, Deren giebt es bey dem kleinen Vogel-Fang zweyerley: Die erste ist eine mit grünen Sträuchern versehene kleine Hütte, darein sich der Vogelsteller, der Meisen und andere kleine Vögel mit dem Kloben fangen will, verbirget, um von den selben nicht gesehen zu werden. Man pfleget sie nach Beschaffenheit des Orts, entweder im Wald auf der Erden oder daselbst in der Höhe, auf drey nicht weit von einander stehende grosse Bäume, oder auch ohnweit einem fliessenden Wasser, wobey viele Weiden anzutreffen, zu erbauen; denn bey den Weiden-Büschen halten sich die Meisen, als um welcher willen der Weidemann insonderheit den Kloben-Fang anstellet, besonders auf, zumal wenn ein Wald nicht weit davon abgelegen. Vornen und auf beyden Seiten werden Löcher gelassen, dadurch der Vogelsteller den Kloben stecket, und, wenn ein Vogel sich darauf setzet, solchen herein ziehet. Die andere Art von Meisen Hütten ist beweglich, und kan, weil sie nicht schwer, ohne Mühe hin und wieder getragen werden. Sie bestehet aus einem von Latten zusammen geschlagenen Gerüste, welches am besten mit grüner Wachs-Leinwand überzogen, und mit einem beweglichen Dache, gleich einer Senffte bedecket ist. Höret man den Vogel von ferne singen, so wird die Hütte mit dem Kopff aufgehoben, und so man ohnweit dem Ort des Vogels kömmt, abgesetzet, der Kloben zu dem deswegen durch die Hütten gemachten Loch hinaus geschoben, und auf den Vogel solcher Gestalt gelauret. Der Weidemann hat einen Lock-Vogel bey sich, und zwey Pfeifflein, eines höher, das andere ein wenig niedriger gestimmet, mit diesem letztern ahmet er der Meisen gemeinen Ruff nach, mit dem erstern aber macht er bisweilen, und etwas seltener ihr Geschrey, welches die Weid-Leute Zizipee nennen. Wenn nun die streichende Meisen diesen Ruff hören, fliegen sie alsobald der gantz grün bekleideten oder überzogenen Hütten zu, und weil sie keine beqvemere Stelle sich zu setzen finden können, als den Kloben, setzen sie sich darauf, daß sie mit den hintern und der vordern Zehen in die Klufft oder Spalte des Klobens eingreiffen. So bald der Vogelsteller die neu- angekommenen Gäste mercket, ziehet er das durch den Kloben gehende Schnürlein, und klemmet der Meisen ihre Zehen so feste, daß sie nicht auszureissen vermag, zuckt sie aber alsobald durch das Löchlein in die Hütten, und die andern Meisen sind so thöricht, daß sie diesen Betrug nicht mercken, sondern ie mehr die andern, so gefangen und gewürgt werden, schreyen, ie begieriger und blinder fliegen sie zu.