FeedHarmonia
Handwerk & GewerbeRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Harmonia, Bedeutet aptam commissuram, coagmentationem, compagem, ein geschicktes Zusammenlassen, Zusammenfügen, und ist in der Music eine Zusammenfügung etlicher oder vieler ungleichen Klänge, welche dergestalt mit einander vereiniget und zugleich gehöret werden, daß auch die dabey befindliche, aber recht angebrachte Dissonanzen dem Gehöre nicht allein verdrießlich fallen, sondern auch die darauf folgende Consonanzen nur desto schöner und lieblicher machen. Bey dem Aristoxeno hieß Harmonia vorzüglich das Genus enharmonium Bey den ältesten Musicis aber wird es für Diapason gebraucht. Jn dem ersten Verstande ist sie nichts anders, oder solte von Rechtswegen nichts anders seyn, als eine Zusammenfügung vieler Melodien. Um deswillen nenneten die Griechen ihre gantze Composition nur die Melopöie, das ist eine Wissenschafft eine Melodie zu machen, und darinne bestand bey ihnen die gantze Music; damit thaten sie grosse Wunder, ob sie gleich keine Vielstimmigkeit hatten, so wie sie itzo bey uns üblich ist. Die Harmonie bringet Gott das klügste Lob, und der Seelen die angenehmste Erqvickung.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1002–1003Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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