Nestling, Heissen die Falckenier einen aus seinem Nest oder Horst genommenen jungen Raub-Vogel, welcher zur Baitz abgerichtet werden soll. Ein solcher Nestling tauget nicht so gut zum Abtragen, wird auch nicht so würgisch, als ein abgestrichener Vogel, welcher bereits geraubet hat, zu geschweigen, daß ein solcher Nestling von den alten Vögeln in seiner Freyheit besser erzogen wird, weit schönere Federn bekommt, und zu einem vollkommenern Wachsthum gelanget, als wenn er eingesperret und gefesselt, von einem Menschen aufgezogen wird, welcher, wenn der Vogel schreyet oder kräncklich ist, nicht weiß, was derselbe haben will, und was ihm zu solcher Zeit nöthig seyn möge. Es ist dahero allerdings besser, wenn man schon erwachsene oder flücke Vögel zum Abtragen an sich erhandelt, ob sie schon mehr Mühe und Arbeit machen, als die Nestlinge. Wer aber nichts destoweniger einen solchen Vogel haben und erziehen will, soll denselben nicht eher aus dem Horste nehmen, bevor ihm wenigstens der Schwantz, oder die Decke zur Helffte erwachsen sey, der Vogel auch feine, obwol kurtze, doch vollkömmliche Federn habe. Hierauf muß man ihn in eine Kammer, wo es weder zu kalt noch zu warm, und der Vogel Lufft und Sonne, nach Bedürffen, geniessen kan, bringen, und ihm allezeit frisches Fleisch von jungen Tauben und Wald-Vögeln geben, das nicht über eines Tages alt sey, ihn nicht überladen, und denselben also neun Monat alt werden lassen, ehe man ihn auf die Hand sitzen lässet. Wenn man ihn zum Aufsitzen gewöhnen will, muß man ihn erst auf Stangen oder Aesten von Bäumen aufsitzen lernen. Alsdann gewöhnet man ihn die Hauben zu tragen, und zwar durch Wachen, welches denselben zahm und kirre macht, und kan ein solcher Vogel wol drey Nächte nach einander wachen. Endlich gewöhnet man ihn zu dem Luder und auf das Weide-Werck, indem man ihn ins Feld nimmet, und ihm daselbst allerley Thiere zeiget, darauf er soll geübet werden. Wie weiter mit einem solchen Vogel umzugehen, kan vorn unter dem Wort Habicht nachgeschlagen werden.