FeedOrange, Oranien
GeschichteRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Orange, Oranien, Haupt-Stadt im Fürstenthum dieses Nahmens, liegt am kleinen Fluß Aigues, nicht weit von der Rhone, und hat eine Universität, welche 1365 gestifftet, wie auch ein Bißthum, unter den Ertz-Bischoff zu Arles gehörig. Das befestigte Schloß, welches auf einem Berge liegt, hat der König in Franckreich 1660 schleiffen, auch An. 1682 die Stadt-Mauren niederreissen lassen, und An. 1719 ist allhier denen Reformirten die letzte und einige Kirche, so sie noch bishero in Franckreich gehabt, abgenommen, und denen so genannten Patribus von der Christlichen Lehre eingeräumet worden. Dieses souveraine Fürstenthum gehörte den Printzen von Oranien, von welchen es an das Haus Challon, und nach deren Abgang an die Deutschen Grafen von Nassau Ottonischer Linie gelanget, unter denen verschiedene grosse Kriegs-Helden und Stathalter der Vereinigten Niederlande gewesen, die aber mit dem grossen Könige von Groß-Britannien William III abgestorben sind, nach dessen Ableben die Erb-Folge zwischen dem Königlich-Preußischen und dem Nassau-Dietzischen Hause streitig war, da sich jenes auf ein Testament Henrici Friderici, Printzens von Oranien und Stathalters, dessen Tochter Louise Henriette an den Churfürsten von Brandenburg Fridericum Wilhelmum Magnum vermählet war; dieses aber auf das Testament obgedachten Königs Wilhelmi III gründete, bis 1732 durch einen Partage-Tractat zwischen dem Könige in Preussen Friderico Wilhelmo und dem Printzen von Oranien, Wilhelmo Carolo Henrico Frisone, Erb-Stathaltern in Frießland und Fürsten zu Nassau-Dietz, der gantze Streit gehoben worden. Jnzwischen hatte der König in Franckreich das Fürstenthum Oranien eingezogen, und die Protestirenden aus dem Lande gejaget, und in dem Frieden zu Utrecht hatte der König in Preussen das gantze Fürstenthum an Franckreich überlassen, iedoch mit Vorbehalt des Titels, da es dem Gouvernement Dauphiné einverleibet, und 1732 dem Hause Conty geschencket worden. Uibrigens führet dieses Fürstenthum zwey über einander stehende blaue Jagd-Hörner im güldenen, und dann eine güldene Strasse im rothen Felde, als das alte Chalonische Stamm-Wappen.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1651–1653Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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