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GeschichteRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Reuß, Das alte und weitläuftige Geschlecht der Grafen Reuß von Plauen haben ihren Ursprung von den Grafen von Osteroda am Hartze, von welchen Ecberti Vermählung mit Jornanda, Tochter und Erbin Aribonis, Grafens zu Schwartzenberg und Gleißberg, Gelegenheit gegeben, daß sie ihren beständigen Sitz im Vogtlande genommen. Henrici III, welcher Kaysers Friderici I Hof-Marschall war, Gemahlin Bertha, Prinzeßin aus Cärnthen, führte ihrem Vetter Kayser Henrico VI zu Ehren ein, daß alle ihre Söhne und Nachkommen den Nahmen Heinrich führen sollten, welches Pactum familiæ noch bis itzo beobachtet wird, iedoch dergestalt, daß die ältere und jüngere Linie, iede für sich bis auf XXX zehlen, da sie hernach mit dem Beynahmen der I wieder anheben; wiewol sie bey der jüngern Linie seit einigen Jahren über 30 hinaus gezehlet haben. Den Nahmen Reuß sollen sie nach einigen daher bekommen haben, weil Henricus Junior, Stiffter der Plauischen Linie, und Stamm-Vater aller noch lebenden Reussen, Brzetislai IV Hertzogs in Böhmen, und Mariæ gebohrner Prinzeßin aus Reußland, Tochter Mariam zur Mutter gehabt, weswegen der Vater den ohne Erben verstorbenen mitlern Sohn den Böhmen, den jüngern aber den Reussen genennet, welcher Nahme Reuß auf alle dessen Nachkommen fortgepflantzet worden. Nach andern aber soll gedachter Henricus Junior selbst den Nahmen Reuß eingeführet haben, zum ewigen Andencken seiner Gefangenschaft im gelobten Lande, da er einem Reußischen Kaufmanne als Sclave verkaufft worden. Dieses alte und berühmte Haus hatte sich ehedessen in 3 Linien vertheilet, nemlich in die Linie, welche sich Herren im Vogtlande zu Weida, sodenn zu Gera und endlich zu Plauen nennete, von welchen die beyden ersteren erloschen. Von den Enckeln der oberwehnten Berthæ hat Henricus Senior den Stamm der Burggrafen zu Meissen, gedachter Henricus Junior den Stamm der Grafen von Reuß aufgerichtet. Dieses Henrici Senioris Enckel Henricus I, Vogt zu Plauen und Reichs-Hof-Richter, ward vom Kayser Sigismundo zum Fürsten des Reichs, Burggrafen zu Meissen und Grafen zu Hartenstein 1426 gemacht, seine Nachkommen aber sind 1572 mit Henrico VII abgegangen. Desto erwünschter blühet der Stamm der Reussen in der zahlreichen Nachkommenschaft Henrici Junioris, welche gegen die Mitte des XVI Jahrhunderts sich in die beyden Haupt-Linien, die ältere und jüngere, vertheilet. Die ältere Haupt-Linie begreifft die Neben-Linien zu Ober-Graitz und Unter-Graitz, und die letztere wieder die Aeste zu Burg, Unter-Graitz und Rothenthal unter sich, von welchen die beyden Aeste zu Burg und Rothenthal wieder erloschen. Die jüngere Haupt-Linie hat sich in 3 Neben-Linien ausgebreitet, nemlich in die zu Gera, Schlaitz und Lobenstein. Die Schlaitzische Neben-Linie floriret in den Aesten zu Schlaitz und zu Kösteritz. Von der Lobensteinischen aber sind die Aeste zu Lobenstein und Ebersdorf abgestammet, und aus dem Lobensteinischen Ast ist wiederum der Zweig zu Selbitz hervorgesprosset. Diese Reichs-Grafen haben ihre Güter im Osterlande und im Vogtlande, werden zu der Wetterauischen Grafen-Banck gerechnet, und schrieben sich vor Alters nur Vögte. Nachdem aber im 17 Jahrhundert ihr Grafen-Stand von einigen in Zweifel gezogen, und viele, welche nur kurtz vorhero in den Grafen-Stand erhoben worden, dem uralten Herren-Stande und hohen herrlichen Häusern im Reiche vorgezogen werden wollten: So haben die sämmtlichen Grafen Reussen bey dem Kayser Leopoldo um Erneuerung des Gräflichen Prädicats angehalten; womit ihnen auch ohne Bedencken gewillfahret, und denselben in dem Kayserlichen Patente vom 26 Aug. 1673 der Titel und Nahmen derer Reussen, Grafen und Herren von Plauen, Herren zu Graitz, Cranichfeld, Gera, Schlaitz und Lobenstein etc. gegeben, und daß sie ieder im gantzen Römischen Reiche also nennen und schreiben, auch sie für rechtgebohrne Grafen halten solle. Sie führen im Wappen im schwartzen Felde einen güldenen Löwen als ihr Geschlechts-Wappen, einen güldenen Kranich im silbernen Felde, wegen der erkaufften Herrschafft Kranichfeld. Auf diesem Wappen sind 2offene Helme, der eine präsentiret einen schwartzen und weissen Hunde-Kopf; der andere aber hat einen Kranich von Gold, Silber und Roth Bandweise gestreifft.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1941–1943Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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