Orleans, Eine grosse und lustige Stadt in Franckreich an der Loire gelegen, welche mit ihrem Umkreis ohne die Vorstädte eine Deutsche Meile in sich begreifft. Der Boden herum ist sehr fruchtbar an Korn und köstlichem Wein. Die Kirche zum Heil. Creutz ist das schönste Gebäu in der gantzen Stadt, deren Thurm der höchste in gantz Franckreich ist. Auf der Brücken ist das Bild der Jungfrauen Mariä, welche das Jesus-Kindlein auf den Armen hat. Auf der einen Seite kniet vor ihr König Carl der VII gantz gewaffnet, und auf der andern die Pucelle d’ Orleans, gleichfalls gewaffnet, gestieffelt und gesporet, wie ein Cavalier mit fliegenden Haaren. So sind auch zu besichtigen die berühmte Kirche zum Heil. Geist, des Königs Pallast, der schöne Garten und das Rathhaus. Desgleichen das Chatelet, die Bibliothec der Deutschen und das Carthäuser-Kloster. Es ist eine berühmte Universität allda, von König Philippo dem schönen Anno 1302 gestifftet, in welcher sonderlich die Jurisprudenz floriret, und hat die Deutsche Nation ihren eigenen Rectorem Magnificum. Allhier wächset der beste Wein in Franckreich. Die Bischöffe haben grosse Privilegien, erlösen die Gefangene an dem Tag ihrer Einsetzung, und werden von gewissen Freyherren in die Dom-Kirche getragen. Von dieser Stadt führet nicht nur den Nahmen das Gouvernement von Orleans, welches eines der 12 General-Gouvernements von Franckreich ist, und 14 kleine Provintzen begreiffet, sondern auch die Hertzoge von Orleans, welche die ersten unter den Printzen vom Königlichem Geblüte sind. Des itzigen Hertzogs von Orleans Groß-Vater Philippus war ein Bruder Königs Ludovici XIV, der Herr Vater aber Philippus II war bey der Minderjährigkeit des itzigen Königs Regent von Franckreich. Der älteste Printz eines Hertzogs von Orleans führet allemal den Titel eines Hertzogs von Chartres. Sonst führet der Hertzog von Orleans die 3 güldene Frantzösische Lilien mit einem silbernen Turnier-Kragen von 3 Lantzen, auf dem Schilde stehet eine Lilien-Krone.