FeedGenua, Genoua
ErdkundeRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Genua, Genoua, Haupt-Stadt der Republic dieses Nahmens in Welschland, welche letztere ein schmaler Strich Landes ist, an der Küste des Ligustischen Meers, und sich in die Länge auf 160, in die Breite aber 26 Jtalienische Meilen erstrecket. Die Stadt ist im Umfang 6 Welsche Meilen groß, wird ihrer prächtigen Gebäude wegen Genua la superba genannt, ist sehr Volckreich, und hat einen schönen Hafen, worinne die Republic viele Galeeren unterhält. Sie ist auf der Land-Seite mit einer doppelten Fortification umgeben, und in die äussersten Wercke sind alle Höhen, die der Stadt etwas schaden könnten, mit eingeschlossen. Bey dem Hafen stehen 2 Thürme, deren der eine zu desselben Bedeckung dienet, der andere aber ist oben mit starckem Glas vermacht, und brennen alle Nacht darinne 35 grosse Lampen, damit die Schiffe des Hafens nicht verfehlen. Der Doge oder Hertzog behält seine Würde nicht länger als 2 Jahre, und residiret in dem Pallast der Republic, welcher 7 Tonnen Goldes gekostet hat; ist ansehnlich, und hat einen grossen Hof, darinne über 1000 Soldaten können gemustert werden. Vor dem Pallast stehen 2 Säulen als Caroli V und des Principe Andrea d’ Oria. Das Zeug-Haus ist über alle massen wohl versehen. Neben diesem Pallast stehet ein viereckigter starcker Thurm, in welchem die Sturm-Glocke, so allein geläutet wird, wenn der Hertzog ausgehet. Unter dem Pallast hat es grosse Gewölber, allwo viel schön grob Geschütz verwahret wird. Die Dom-Kirche S. Lorenzo ist ein schönes und nettes Gebäu, darinne viel curiose Sachen, insonderheit die unschätzbare Schale von Schmaragd zu besichtigen, dergleichen nirgends gefunden wird. Die Kirche zu S. Maria ist die allerschönste, sie ist durch und durch von nichts anders, als von Marmor, Jaspis, vergüldeten Schnitzwerck, und schönsten Gemählden, liegt auf einem hohen Berg, von dar man die Jnsel Corsica sehen kan. Ferner sind sehenswürdig, das Arsenal, im welchen die Galeeren gemacht werden, der Wein-Hafen, allerhand Lust-Gärten, der Thurm, worauf gedachte Laterne brennt, dieser hat 366 Staffeln, zu oberst ist die gantze Grösse des Thurms in 32 Ecken verwandelt, an ieder derselben stehet eine dicke eiserne Stange, darzwischen alles mit Glas vermacht, die ist so hoch und weit, daß 32 Mann mit aufrechten Spiessen, nur an den 32 Feldungen wohl stehen können, noch vielmehr aber sollten in der Mitten stehen, bis sie gar erfüllet würde. Der Adel, welcher sehr reich und mächtig, theilet sich in den Alten und Neuen. Sonsten sind die Genueser hoch im Gemüth und gute Haushälter, darneben aber gar rachgierig, haben mehr Jnclination zur Handelschafft als zum Studiren; ihre Weiber tragen grosse Reiff-Röcke, welche so weit und ausgebreitet sind, daß sich wol 3 Männer darunter verstecken können. Es giebt allda über 18000 Personen, die in Seiden, und 8000, so in Sammet arbeiten. Jm übrigen wird in Jtalien von den Genuesern dieses Sprichwort herum getragen: Um Genua ist das Meer ohne Fisch, das Gebirg ohne Holtz, die Weiber ohne Scham, und die Leute ohne Treu und Glauben.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 911–913Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6