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AllerleiRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Pfeiffen, Ein musicalisches Jnstrument, welches mit dem Mund geblasen wird, hat zu seinem Erfinder den Jubal, wiewol bey den Scribenten unterschiedliche Personen gefunden werden, welchen solche Erfindung zugeleget wird. Wie denn Athenæus Seiriten nennet, und meynet, daß die Pfeiffen von ihm zuerst in Lybien erfunden worden; Eustachius hingegen eignet solches den Thebanern zu, Plutarchus dem Apollini, Hyginus dem Marsyæ, welcher die Pfeiffe, Cerodoton genannt, erfunden; Strabo dem Sileno, welcher zuerst viele Pfeiffen an einander gemacht. Pan soll die erste Pfeiffe aus Rohre zu machen angefangen haben, die Thebaner aus den Röhren, Beinen der Rehe-Böcke und der Geyer, die Lybier aus Holtz von Buchsbaum; Theodorus, aus dem Egyptischen Theben gebürtig, hat die Löcher auf der Pfeiffe vermehret, da sie im Anfang mehr nicht als mit vieren versehen gewesen, und Olympus hat selbige zuerst bey den Griechen bekannt gemacht, auch bey dem Heydnischen Opffer-Dienst eingeführet. Die Anleitung zu Erfindung der Pfeiffen soll Minerva von dem Gezisch der Schlangen an dem Haupt Medusæ, oder aber, wie andere wollen, Pan von dem Wind, so in ein hohles Rohr gewehet, genommen haben. Dieser geringe Anfang der Pfeiffen ist mit der Zeit so weit gebracht worden, daß man fast unzehlbare Arten derselben ausgedacht, auch dieselben nicht allein aus Beinen der vierfüßigen Thiere und des Geflügels, sondern so gar aus Gold, Silber, Helfenbein, Horn u. d. g. zu verfertigen angefangen.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1750–1751Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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