Pferde-Stall, Jst ein Gebäude, welches mit Rauffen und Krippen versehen, und in gewisse Stände eingetheilet ist, darinnen die Pferde ausser ihrer Arbeit bedeckt stehen, gefüttert werden und ruhen können. Da nun auch so gar grosse und ansehnliche Leute von dieser Sache zu urtheilen bemühet, und um derselben Beschaffenheit bekümmert seyn; so hat man allerdings Ursache, auf die darzu benöthigte Umstände wohl Acht zu geben. Es wird aber zu einem wohl angelegten Pferde-Stall erfodert, daß der Boden, worauf die Pferde stehen, so beschaffen sey, daß sie die Huf-Eisen nicht so sehr darauf abschlagen können; daß dieser Boden dauerhafft und nicht grubicht, ungleich, splitterich oder faul, und wenn er ja auf diese Art schadhafft worden, er doch ohne grosse Unkosten und vielen Zeit-Verlust wieder ergäntzet werden könne; daß der Atel oder Harn nicht darauf stehen bleibe, irgendswo einfresse, und den Boden nach und nach stinckend mache; daß auch unter den Pferden proportionirliche Abtheilungen gemacht werden, damit sie nicht allein einander nicht beissen noch beschädigen, auch nicht mit einander spielen können, sondern daß sich auch kein Pferd an den Unterscheiden selbst beschädige. So sollen auch die Krippen oder Bahren so bereitet werden, daß die Pferde immer in einerley beqvemen und solcher Stellung, wobey sie den Hals schön gewöhnen, geschickt daraus fressen, hingegen an der Zunge sich nicht beschädigen, und den Hafer nicht unnütz verstreuen können, ja daß, wenn Wasser hinein gegossen und derselbe rein gemachet worden, dieses wohl wieder ablauffen möge; zu welchen allen annoch zu rechnen, daß man ihnen das benöthigte Heu mit guter Menage vorlegen könne, und nichts merckliches unnütze davon umkomme. Man hat einfache, darinnen nicht mehr als eine Reihe Pferde stehen können, und gedoppelte mit zwey Reihen, und von socher Breite, daß zwischen beyden in der Mitte ein geraumer Gang gelassen ist. Sie sollen vornemlich ihre recht gehörige Masse haben, und zum wenigsten zehen bis zwölff Schuh hoch seyn, auch wo möglich von Osten nach Westen sich strecken, damit sie von den stürmischen West-Winden weniger getroffen werden, und durch die Fenster an der Sud- oder Mittags-Seiten im Winter die Sonne, durch die an der Nord- oder Mitternachts-Seite aber im Sommer srische Lufft empfangen mögen; oder wenn dieses nicht allemal nach Gefallen zu erhalten, soll man ihn nur also verwahren, daß alle violeute Lufft-Züge wohl davon abgehalten werden. Am allerrathsamsten ist, wenn man nach Belieben Wind und Licht in dieselben einlassen oder ausschliessen kan. Gewölbte Pferde-Ställe sind gut, wo Zimmer darüber kommen müssen, sonsten aber, wo sie nur unter gemeinen Heu- oder Grummet-Böden angeleget werden, bekommen sie eine ausgestackte Decke, oder der Boden darüber wird doppelt mit Bretern belegt, damit theils kein Staub herab fallen, theils auch kein Gestanck aus den Ställen sich hinauf ziehen, und das oben auf liegende Heu oder Grummet erwärmen und anstecken möge. Damit aber der stinckende Dampff und Brodem seinen Ausgang haben möge, können sowol die ihres Orts beschriebene Brodem-Röhren in behöriger Distanz von einander angebracht, als auch einige etwan sechs Zoll ins gevierte weite Lufft-Löcher nächst unter der Decke gelassen, und solche mit eisernen Schiebern oder Lädgen versehen werden, daß man sie zur Frost-Zeit verschlossen halten, und doch ohne grosse Beschwerlichkeit leicht wieder eröffnen könne. Alle Oeffnungen soll man aufs genaueste schliessen können, bald die beschwerliche Hitze, bald die rauhe kalte Lufft, allezeit aber das unanständige Gewitter abzuhalten. Es müssen derselben so viel und von solcher Grösse seyn, daß sie den Stall nicht anders als ein Wohnungs-Gemach erleuchten, so viel als nemlich seyn kan: denn es pflegen die im dunckeln stehende Pferde gemeiniglich scheu zu werden. Die Stände werden von eichenen oder andern festen Bretern zusammen gesetzt, neun Schuh lang und fünff bis sechs Schuh breit. Jhre Seiten-Wände müssen so hoch seyn, daß ein Pferd das andere mit dem Kopff nicht erreichen möge, das Schertzen und Beissen ihnen damit zu verbieten. Die Krippen oder Bahren sollen den Pferden zum höchsten an die Brust gehen. Einige wollen, wenn die Krippe von der Erden hinauf bis an den Boden vier Schuh hoch abstehe, anderthalb Schuh breit, und funffzehen Zoll tief, sey es die juste Maaß für ein iedes Pferd: Denn wenn die Krippe etwas tieff, müsse ein Roß den Hals desto mehr in den Bogen richten, welches sowol zum Zäumen als sonst in viel andere Wege ein grosser Behelff seye. Die Krippen sollen auch inwendig aufs sauberste glatt gemacht und gehobelt seyn, damit der Pferde Zungen durch einige bleibende Split ter-Risse und Aeste nicht beschädiget werden, noch das Futter sich darinnen verhalte und verderbe. Manche lassen deswegen die Krippen mit wohl polirtem Eisen-Blech beschlagen; denn obschon das Eisen, bevorab des Winters sehr kalt, so wird es doch durch den Hauch und Bewegung der Pferde, indem sie das Futter fressen, bald erwärmet, daß es ihnen hernach nicht schaden mag; dahingegen die kupffernen Beschläge, so bald sie feucht werden, eine saltzigte Bitterkeit von sich geben, durch deren Ableckung die Pferde das Koppen und Aufsetzen gewohnen. Hinter den Krippen kommen die Rauffen, welche so hoch stehen sollen, daß sie die Pferde mit den Mäulern erreichen mögen, und die Sprissel oder Stecken so weit, daß sie das Heu ohnschwer heraus ziehen können. Eine besondere Invention, da man ohne einige Gefahr und Sorge, von den Pferden getreten, geschlagen oder gebissen zu werden, denselben Futter geben, und die Krippe säubern kan, ist folgende: Der Bahren oder die Krippe darff nicht an der Mauer oder Wand anstehen, sondern muß drey bis vier Schuh weit davon entfernet seyn, die Rauffe wird auf der hintern Seite gegen die Wand zu mit Bretern, wie auf der vördern mit Sprisseln vermachet. Diese ziehet und schiebet man mit einem Strick auf zwey über die Krippe übergelegten Höltzer ein und aus. An beyden Enden wird sie an der Wand mit Höltzern so gefaßt, daß sie sich schieben läßt, und doch nicht umfallen, noch weiter gehen kan, als sie soll. Will man Haber und Heckerling vorgeben, so stehet man hinter dem gebreterten Theil der Rauffe, und schiebet diese gegen die Pferde so weit über die Krippe hineinwerts als nöthig ist, das Futter hinein in den Bahren oder Krippe zu schütten. Wenn das geschehen, wird die Rauffe wieder hergezogen, daß die Pferde ihr Fressen frey erreichen können; das Heu aber wird oben in die Rauffe hinein geworffen, und in das Gänglein, so zwischen der Krippe und der Wand ist, kan der Futter-Kasten und die Heu-Bucht angebracht werden. Nur muß man dergleichen bewegliche Rauffen nicht allzulang machen, sondern solche nach der Länge des Stalles lieber in zwey oder drey Stücken theilen. Der untere Stall-Boden wird insgemein mit Eichen-Erlen-Föhren- oder Tännen-Holtz gebrücket. Man kan auch allein die Stände mit eichenem, den übrigen Platz aber mit anderm von erstbesagten Sorten Holtzes belegen. Wo es am Holtze fehlet, bedienet man sich der Ziegel- oder aber der ordentlichen Feld- und Pflaster-Steine. Die Ziegel lässet man gemeiniglich auf die hohe Seite setzen. Jn grosser Herren Pferd-Ställen findet man den Boden mit starcken sauber gearbeiteten, und mit einem guten Kitt zusammen gefügten steinernen Platten belegt. Breter taugen hier schlecht, denn sie dauren wenig, werden durch die Nässe schlüpfferig, daß die Pferde leichte darauf gleiten und sich verrencken können. Die Pferde-Ställe für die Stuten, welche breitere Stände und etwas niedere Krippen haben müssen, sollen warm, die für die jährigen Fohlen etwas kühl und lüfftig, die für alte Pferde im Sommer kühl, im Winter warm, auch nicht dämpffig noch feucht seyn, und eine durchstreichende Lufft haben. Feder- und Schweine-Vieh soll nicht nahe bey den Pferd-Ställen seyn, weil die Federn von den erstern, und der Gestanck von den letztern den Pferden sehr schädlich ist; hingegen sollen die Knechte ihre wohlvermachte Schlaff-Stellen, auch ihre verschlossene Futter-Kästen und Heu-Buchten in den Pferd-Ställen haben; so sollen auch in den gemeinen höltzerne Haacken oder Nägel darinnen angemacht seyn, das alltägliche Pferde-Zeug und Geschirre des Abends, wenn die Pferde abgeschirret werden, daran hängen zu können. Sonst pflegen auch einige die Spinnweben gerne in den Pferd-Ställen zu behalten und solche nicht abzukehren, unter dem Vorgeben, die Pferde stünden besser, weil die Spinnen manches gifftige und unreine Wesen an sich zögen: Allein es ist solches ein purer Aberglauben, oder vielmehr unnütze Ausrede fauler Knechte, massen man aus der Erfahrung weiß, daß die Pferde, wenn sie sonst nur ihre gehörige Wartung haben, in solchen Ställen, da keine Spinnweben anzutreffen, eben so wohl, ja noch besser stehen, als wo alles davon voll hänget.