FeedRitter vom Hosenbande
ReligionRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Ritter vom Hosenbande, Der Orden vom Hosenbande oder von St. George, l’ Ordre de Jaretiere, Lat. Ordo periscelidis; Equites Georgiani Angliæ, ist unter die glorieusesten der Welt zu zehlen. Die Ritter heissen in Englischer Sprache Knights of the Garter, und haben ihre Stifftung dem König Eduardo III zu dancken, einem Herrn, der damals über Franckreich und Schottland triumphirete, die Könige Johannem von Franckreich und Davidem von Schottland zu gleicher Zeit in gefänglicher Hafft hielt, und Anno 1345 oder 1350 diesen Orden eingesetzet. Einige halten dafür, es sey aus Liebe zur Gräfin Catharine von Salisbury geschehen, so im Tantze mit dem Könige eines von ihren Strumpf-Bändern verlohren, welches der König aufgehoben, und dabey gesagt: Hony soit, qui mal y pense: d. i. Trotz dem, der deshalber was übels gedencke, welche Worte auch zum Wahlspruch des Ordens gediehen. Andere aber berichten, die Gelegenheit sey von einer besondern Kriegs-That genommen, und dem Orden der Nahme vom Hosen-Band gegeben worden, weil man dieses Stück allein von dem gantzen Ordens-Kleid anfänglich stets zu tragen erwehlet, um darbey die Ritter zu erinnern, daß sie durch ein beständiges Band der Einigkeit und Freundschafft verknüpffet seyn sollen. Der Orden hat seine eigene Officianten, als den Prälaten des Hosen-Bandes, welcher allezeit der Bischof von Winchester ist; den Cantzler, der ist der Bischoff von Salisbury; einen Registrator, und dieser ist der Dechant von Windsor; einen Wappen-König, den man Garter nennet, welcher auf die Ceremonien bey den Solennitäten der Ritter, und bey ihren Jnstallationen die Aufsicht hat. Das Capitel der anwesenden Ritter wird jährlich am St. Georgen-Tage, als den 23 Apr. auf dem Schlosse und Capelle zu Windsor, so König Eduard deßhalber erbauet, gehalten, und die Ernennung dieser Ritter stehet bloß und allein bey dem Könige, wenn und wo er dergleichen vornehmen will. Das Ordens-Zeichen ist ein blaues Band, welches mit Gold, Perlen und Edelgesteinen besetzet, und dieses müssen sie allezeit an dem lincken Knie tragen. An solennen Festen aber tragen sie auch einen Rock, Mantel und Mütze von schwartzem Sammet, nebst einem Hals-Bande von purem Gold, mit rothgeschmeltzten Rosen, in einem blauen emaillirten Bande, den Wahl-Spruch mit güldenen Buchstaben in der Mitte. Sie dörffen sich öffentlich ohn ihr Hosen-Band nicht sehen lassen bey 2 Rthl. Straffe vor den, der sie am ersten darüber betrifft; doch wenn sie auf der Reise sind, ist ein blaues Band unter dem Stiefel schon genung. Die güldene Ordens-Kette ist aus 26 Garters oder rund gelegten Hosen-Bändern, nebst einer weissen oder rothen Rose in der Mitten, und so viel geflochtenen Knoten, wechselsweise zusammen gefüget, daran unten des Ritters St. Georgens Bild zu Pferde nebst dem Drachen und der gewöhnlichen Ordens-Devise zu sehen, welche Kette die Ritter bey solennen Fest-Tagen ausserhalb über dem Mantel zu tragen pflegen. Selbige ist nach dem Rang der Ritter von unterschiedlicher Kostbarkeit mit Diamanten und andern Kleinodien besetzet, wie denn diejenigen, so man dem ehemahligen Könige Gustavo Adolpho in Schweden überreichet, in allen Buchstaben durchgehends mit Diamanten gezieret gewesen, und zusammen 411 Stück derselben in sich gehalten. Ja dasjenige Ordens-Kleinod, so die Königin Anna von Engelland 1705 dem weltberühmten Duc de Marlborough nach der glücklich absolvirten Campagne in Bayerland, verfertigen und präsentiren lassen, hat 12000 Pfund Sterlinge gekostet. Die Anzahl der Ritter beläufft sich auf 26 Personen, und die Engelländer wissen sich viel damit, daß seit der ersten Stiftung des Ordens, 8 Kayser, 28 fremde Könige, viel souveraine Printzen, Deutsche Churfürsten, Hertzoge und Grafen, und in Summa, Leute von der höchsten Extraction darinne gewesen.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1968–1970Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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