FeedRoß-Schweiff, Tougs
AllerleiRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Roß-Schweiff, Tougs, Jst in der Türckey eine Art von einer Standarte, welche man vor dem Groß-Sultan, Groß-Vezier, Bassen und Sangiacken herträgt. Dieses ist eine halbe Piqve, an deren Spitze, unter einem vergüldeten blechernen Knopfe kein gemeiner Roß-Schweif, sondern rund herum zwischen allerhand farbigten Pferde-härnen Bürsten, und von Pferde-Haaren geflochtenen Uiberzuge, eine Menge langer Pferde-Haare fast in Gestalt eines Roß-Schweifes herab hangen. Die Farbe derselben mag seyn, wie sie will, nur nicht grün, womit man nur allein die Stange färben darf. Dem Groß-Vezier träget man 3 Roß-Schweife vor, wenn er auf Befehl des Groß-Sultans zu Felde ziehet. Jst aber der Groß-Sultan selbst bey der Armee, so werden ihm derselben 7 vorgetragen. Die Bassen von Babylon, wie auch von Cairo lassen sich nur 2 oder 3 vortragen, so weit sich ihre Regierung erstreckt. Den Ursprung erzehlen die Türcken also: Als sie ihre Fahne in einer Schlacht mit den Christen verlohren, habe ihr General einem Pferde den Schweif abgeschnitten, selbigen an einen Stock gebunden und geruffen: Sehet! dieses ist die Fahne: Wer mich liebet, der folge mir nach. Hierauf hätten die Türcken wiederum einen Muth gefasset, und den Sieg erhalten. Wenn die Türcken einem auswärtigen Potentaten den Krieg ankündigen, so geschiehet solche Declaration unter Trompeten- und Paucken-Schall, wie auch mit Aussteckung eines Roß-Schweiffes.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1987–1988Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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