Rothkehle, Rothkehligen, Jst ein kleiner Vogel, welcher am Kopf, Rücken und Schwantz etwas bräunlicher als Aschen-Farbe, unten am Leibe von der Kehle an, bis fast die gantze Brust hinab, roth ist; weiter unten am Bauch, wo das Rothe aufhöret, ist es weiß, der Schnabel ist weiß und die Füsse gleichfalls. Männlein und Weiblein sind von einander nicht wohl zu unterscheiden, es geben sich aber die Männlein bald mit ihrem Gesang zu erkennen. Zu Ende des Martii ist das Rothkehligen in allen Hecken zu finden, und alsdenn mit Mehl-Würmern, vermittelst eines Meisenschlags gar leicht zu fangen. Gegen Ende des Aprils aber begiebt es sich schon tief in die Wälder hinein zur Brut, allwo es anders nicht, als bey seinen Jungen, deren es meistens viere hat, zu fangen ist; so bald aber diese abfliegen, sind sie ebenfalls vermittelst eines Meisenschlags, sonderlich, wenn sie zuweilen in kleinen Höltzlein brüten, leicht zu haben. Nach Jacobi, wenn man ein Rothkehligen, es sey ein junges oder ein altes, zu haben verlangt, ist es am besten, man nehme den Fang mit der Eule vor, und sind bey selbigem Fange die Rothkehligen die letzten, die da kommen: denn sie fliegen erst herzu, wenn es gantz dunckel wird, auch weil sie gantz nieder um die Hütte herumschiessen, aus Zorn über die Eule, ist nöthig, daß man ihnen die Leim-Spindeln gantz neben der Hütte auf kleine Stengel stecke, so wird man deren genug fangen. Ohngefehr um Michaelis schreiten die Rothkehligen zu ihrem Herbst-Strich, und sind zu solcher Zeit wiederum an allen Orten zu bekommen, und zwar am meisten in den Geschneiden und Sprenckeln, als worinne es sich als ein tummes Vögelein sehr leicht fänget; bald darauf wird es sehr seltsam, und den gantzen Winter siehet man deren wenige, nechst denen Bächen und Gebüschen. Seine Nahrung bestehet in Fliegen, Bienen und allerley kleinen Ungeziefer, auch Hollunder- und andern dergleichen Beeren. Man schließt es nicht gerne in Vogel-Bauer ein, weil es nicht gar lange, ja kaum etliche Tage darinnen zu leben pfleget, sondern man läßt es lieber frey in der Stube herum fliegen und hüpffen, wo es sich mit Fliegen-Fangen, Brot-Brosamlein, gedrucktem Hanf und dergleichen ernähret. Es singet aber nicht so wohl als eine Nachtigall, iedoch ist sein Gesang an sich selbst nicht unangenehm, und wenn man es neben einer Nachtigall im Gemach hat, lernet es derselben viel nachmachen, und pfleget sich dadurch ihr Gesang um ein merckliches zu verbessern.