Rothschwäntzlein, Röthling, Jst ein kleiner Vogel, welcher von der rothen Farbe seines Schwantzes den Nahmen hat, und an Grösse dem Rothkehligen gleich kommt, ausser daß es ein wenig länger seyn mögte als das Rothkehligen. Jnsgemein zehlet man deren zweyerley, den
Garten-Röthling oder das Garten-Rothschwäntzlein, so in hohlen Bäumen brütet, ist auf dem Kopffe weiß; die übrige Farbe, sowol an dem Rücken, als an den Flügeln, ist lichtbraun, fast wie bey einer Nachtigall, so doch etwas mehr auf blaulicht sich zuneiget; die Kehle ist schwartz, und die Brust roth; unten, wo der Schwantz anfängt, ist es ein wenig dunckel-weiß; der Schwantz selbst ist Ziegel-roth, und das Schnäbelein schwartz. Die Sieke oder das Weiblein ist vor dem Männlein gar leicht zu erkennen, weil es von allen seinen Farben nicht eine einige, als allein den Ziegel-rothen Schwantz hat, im übrigen ist es am obern und untern Leib licht-grau, und fast Aschen-Farbe. Das
Stadt-Rothschwäntzlein ist etwas grösser, und nicht nur an dem gantzen Kopff schwartz, sondern solche Schwärtze gehet auch an der Brust, und an dem Rücken ziemlich weit hinter. Die übrige Farbe sowol am Rücken als am Bauch ist sehr dunckel-grau, und hat gar nichts so helles als das andere, der Schwantz aber ist roth, und das Schnäblein von gleicher Gestalt. Das Weiblein ist so gar an der Farbe dem Garten-Rothschwäntzlein-Weiblein gleich, daß schwer zu unterscheiden, zu welcher Art es gehöre, es sey denn, daß man von beyden eines in der Hand habe, und sie gegen einander halte, so siehet man wohl, daß dieses schwärtzlichter ist. Das Stadt-Rothschwäntzlein nistet in Städten und grossen Schlössern, in Häusern, und setzet sein Nest auf eine Thüre oder auf einen Balcken hin, allwo es, ob selbiges gleich nirgends angehefftet, dennoch fest stehen bleibet. Das weißköpffigte oder Garten-Rothschwäntzlein aber brütet zwar nicht anders als auf hohen Bäumen, hat aber nur darum der hohen Bäume nöthig, weil auf jungen Bäumen kein Loch zu finden ist, wenn es aber ein Loch findet, gilt es ihm gleich, ob selbiges weit oben am Baum, oder weit unten ist, und wenn grosse Bäume nahe bey Mauren stehen, machet selbiges auch sein Nest in die Mauer Löcher oder unter die Dächer. Sie bringen mehrentheils vier bis fünf Junge aus. Das in Städten wohnende nähret sich mehr mit Fliegen und Mücken, als mit Würmen, und nimmt, was es frisset, sowol als das andere, so auf den Bäumen Würme suchet, mit Verschlucken zu sich. Es lässet sich selten auf der Erde antreffen, sondern suchet seine Speise, wenn es nicht den Jungen zu Gefallen ebenfalls Würme von den Bäumen holet, nur auf den Dächern, allwo es auch vermuthlich von den moosigten Ziegeln etwas geniesset. Das Garten-Rothschwäntzlein aber suchet seine Nahrung gar öffters bey dem Aufenthalt der Nachtigallen. Von beyden bleibet keines das gantze Jahr durch bey uns. Das schwartzbrüstige lässet sich bald mitten im Mertzen auf den Dächern hören, und gehet um Michaelis hinweg; das Garten-Rothschwäntzlein aber kommt erst mitten im April, wenig Tage vor der Nachtigall, und dieses übertrifft an Lieblichkeit des Gesanges das erstere sehr weit, verlässet uns aber zugleich mit der Nachtigall. Beyde können anders nicht, als mit Mehl-Würmern, vermittelst Leim Spindeln oder Meisen-Schlägen, gefangen werden, die man vor das erste auf den Dächern, vor das andere aber auf den Bäumen aufrichtet, wiewol diese Vögel, wie lieblich sie singen, deswegen nicht groß zu achten, weil die Nachtigall sie am Gesang weit übertrifft, und doch kaum so zärtlich will gehalten seyn, wie diese.