FeedSchlangen-Tantz
Sport & SpielRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Schlangen-Tantz, Jn Jndien, sonderlich auf den Malabarischen Kusten, finden sich viel Storger und Landläuffer, welche mit grossen Körben, die mit Schlangen angefüllt, das gantze Land durchstreichen. Jhrer 2 tragen diese Körbe an einer Stange, haben auch weiß Brot zur Nahrung darinne. Einige unter solchen Schlangen sind 6, 7 bis 9 Schuh lang, obwol nicht dicker als eines Mannes Finger, und sehen grasgrüne. Andere sind groß und dicke, auch gesprenckelt. Auf das Gelaut der Malabarischen Storger, so sie mit einem gewissen Jnstrumente, als einer Sack-Pfeiffe machen, erheben sich die Schlangen auf ihre Schwäntze, richten den Leib in die Höhe, etliche sperren die Finnen (so ihnen nahe am Kopf sitzen) von einander, und tantzen solchergestalt auf eine wunderliche, ja greßliche Weise. Ja sie stellen sich gegen einander, als wolten sie kämpffen, und greiffen einander so grimmig auf die Haut, als wolte eine die andere zerreissen, welches bey den grossen Schlangen ohne Schauren und Entsetzen nicht anzusehen.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 2064–2065Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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