FeedSelb-Geschoß
Sport & SpielRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Selb-Geschoß, Jst ein Feuer-Gewehr, also zugerichtet, daß ein niedriges Stücke Wild, als Schwein, Wolf, Luchs und dergleichen, bey finsterer Nacht, durch Berührung des Zug-Fadens solches losbrennet, und sich dadurch selbsten fället. Ein solches Selb-Geschoß wird von drey oder vier starcken kurtzen Läuften in ein länglicht Holtz geschäfftet, die Zünd-Löcher zusammen gefüget, und ein klein Feuer-Schloß daran gemachet. Mercket man nun einen Wolf oder Luchs, oder ein wild Schwein, oder sonst was, das der Mühe werth, und man vor Kälte nicht vergebens aufpassen will, auch vor Finsterkeit nichts sehen kan, so wird dieses Selb-Geschoß mit kleinen Lauf-Kugeln ordentlich geladen, und an den verlangten Ort gebracht, eine härene Schnur von fünff bis sechs Ellen lang über die Suhle gezogen, oder vor dem Luder angebunden, nach dem Selb-Geschoß gezogen, und am Abzug leise angeknüpft. Wenn man nun in der Mitten desselben solches nach der Höhe des Thieres gerichtet, und den Zug-Faden hinter den Stifft geleget, spannet man das Rad, schüttet Zündkraut darauf, und setzet den Hahn mählig, stehet unberühret leise auf, und decket eine starcke Holtz-Rinde darüber, so ist es fertig. Wenn nun in der Nacht etwas, es sey woher es wolle, kömmt, und an den Faden rühret, so gehet alles los, und wird dasselbe entweder gleich liegen bleiben, oder doch nicht weit lauffen. Des Tages, so man nichts vermuthet, kan man wol hingehen, die Rinde sachte aufheben, den Hahn zurücke schlagen und abspannen, denn wieder vor der Nässe zudecken, so kan weder dem Viehe, noch dem Menschen Schaden geschehen, und daferne künftige Nacht was zu vermuthen, kan es, wie vorgemeldt, wieder aufgestellet, und vor der Nässe bedecket werden.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 2111–2112Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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