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Sport & SpielRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Tantzen, Saltare, danser, ballare, ist, wenn es in gebührender Maaß geschiehet, eine dem Leibe nützliche und das Gemüth ergötzende Bewegung, welches gar wohl kan zugelassen werden, und wenn sonderlich des Tantzenden Leibes-Positur, Addresse und Geschicklichkeit darzu kommt, für angenehm gehalten wird. Es sind aber solche Täntze und ihre Arten unterschiedlich, als nemlich serieuses oder ernsthafte, lustige, oder gaillardes, künstliche und theatralische, grotesques, bizarres, bäurische, harmonische, leichtfertige, schändliche und lasterhafte Täntze. Und zwar das lustige Tantzen betreffend, welches bey vergönnter Ergötzlichkeit jungen und Sorgfreyen Gemüthern gemein, ist entweder der Kunst, oder auch der Natur und Land-üblichen Gewohnheit gemäß. Das erste bestehet in Tantzen einiger Frantzösischen Täntze, als Gavotten, Gaillarden, Bourreen, und Menuetten &c. Das andere in der Geschicklichkeit, welche die Natur, einem ieden gesunden, wohlgewachsenen Cörper, sich hurtig zu drehen, zu springen, und mit geschliffenen oder überhüpfften Schritten fortzurücken, gegeben hat, sonderlichwenn dazu die Hand und Hülf, leistung des Mit-Tantzenden und bey der Hand Führenden das beste thut, worzu hernach die Lands- und Standes-Art das ihrige mit beyträget, also, daß Franckreich anders nichts, als von seinen obbemeldten Frantzösischen Täntzen, neuen Rigaudons, Passepieds und dergleichen; Engelland von seinen lustigen mit vier oder mehr Paaren zugleich vorstellenden Täntzen wissen will. Deutschland nebst vielen andern Provintzen, hat noch die alte Tantz-Art, Paar-weis hinter einander zu tantzen, beybehalten: Jn diesem variiret nun, was die Stellungen, Posituren, Verdrehungen und Figuren anbelanget, immer ein Land von dem andern, und sind desfalls die verschiedenen Bauren-Täntze nicht ohne Kurtzweil anzusehen, wie sie denn auch mehrmal an Fürstlichen Hösen zu einem Zeit-Vertreib, auf Masqveraden und bey angestellten Wirthschafften dienen müssen. Künstliches Tantzen kommet allein den Tantz-Meistern, oder denen, welche sich die Kunst des Tantzens en Maitre zu verstehen rühmen können, und bestehen in Sarabanden, Giquen, Entreen &c. in welchen allen der Tantzende nicht allein die Geschicklichkeit seiner Glieder, und gantzen Leibes-Stellung, in Capriolen, Frisirungen, Pirouetten, künstlichen Schritten und Wendungen muß sehen lassen, sondern auch bey der Invention des Tantzens selbst, die Cadence nach der Music accurat zu halten wissen, wie solches besser unten, unter der Beschreibung des Tantzmeisters mit mehrern soll ausgeführet werden. Theatralische Täntze bestehen in Entreen, Balletten, Sarabanden und andern künstlichen Täntzen, welche die auf dem Theatro vorzustellende Materiam zur Absicht haben, und solcher Gestalt der tantzenden Personen Kleider, Gestus, Stellung und Schritte, darnach eingerichtet werden, als wenn z. E. des Vulcani Höhle, wie in solcher des Achillis Schwerdt geschmiedet wird, solte vorgestellet werden, so würde ein Aufzug von Cyclopen in ihren Schurtz-Fellen, mit Hämmern auf den Achseln, um etwan einen Amboß herum gebrauchet werden müssen; Bey Präsentirung der Elisäischen Felder, Absterben eines Helden, Aufführung des Charontis Kahn, würde ein Tantz von Geistern, bey Tragödien aber von lauter Furien vorzustellen seyn. Grotesque-Täntze stellen allerhand seltsame verkleidete Personen, mit ihren wunderlichen Trachten, Stellungen und Bewegungen vor, also, daß entweder ein trunckener Bauer-Zigeuner- oder Harleqvins-Tantz aufgeführet wird. Bizarre-Täntze sind der Landes-Gewohnheit nach, entweder sehens-würdig, weil oft einige wohlgesetzte frische Bauren-Kerl und Bauren-Mägde sich darunter finden, die eben so ungeschickt nicht tantzen, hurtig auf den Füssen, und manierlich in Wendungen sind, auch mancher Dorff-Galan seine Phyllis bey solchem Dorff-Hochzeit- oder Kirchmeß-Tantz so herum zu schwingen weiß, daß es eine Lust anzusehen ist. Andere gemeine Schwelg- und Sauff-Gelacks-Täntze sind hingegen wieder so abgeschmackt, daß man sie ohne Verdruß und Aergerniß nicht lange ansehen kan. Harmonische Täntze sind mit den Theatralischen sehr verwandt, als wenn etwan die Cyclopen mit ihren Hämmern schlagen, streitende Soldaten und Fechter mit dem Geklapper ihrer Schilder und Schwerdter, die Tacte und Cadence der Music nachzuahmen und vorzustellen suchen.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 2186–2189Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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