Wind-Hund, Windspiel, Wind, Jst eine besondere Art Hunde, so bey der Jagd gebrauchet werden, die aufgestöberte Hasen zu verfolgen. Sie haben ihren Nahmen wegen ihres schnellen Lauffs, sind lang und rahn, und haben ein spitziges mit guten Fängen versehenes Maul, hohe Schenckel und einen langen Schwantz. Die an ihnen erfoderte Tugenden sind, daß sie geschwind und gefängig seyn, und den Hasen nicht nur erlauffen, sondern auch fangen können. Die Stockhärigen sind dauerhaft, lauffen vom Strick nicht gar rasch, strecken sich aber ie länger ie mehr, bis sie den Hasen ermüden, und endlich erhaschen. Diese sind gut, wo es weite ebene und freye Felder hat. Andere sind geschwinder, und nehmen den Hasen im ersten Rahmen weg, lauffen aber nicht in die Harre; daher sie am besten dienen, wo enge Felder und nahe gelegene Berge oder Büsche sind. Etliche sind so edel, daß, wenn der Hase gefangen, sie alle Hunde davon abtreiben, und diese werden Retter oder Schirmer genannt. Andere tragen den gefangenen Hasen dem Jäger in dem Maul entgegen. Bey ihrer Auferziehung müssen sie nicht allerhand dicke Suppen, Milch oder dergleichen Geschlapper zu fressen kriegen, wovon sie nur dicke Bäuche bekommen, man soll ihnen auch keine Knochen, sondern nur trocken Brot und Wasser, welches ihnen am allergesündesten ist, geben. Der Zwinger, worinnen sie mit einander spielen, lauffen und springen, soll nicht zu eng, sondern weitläufftig seyn, daß sie sich nicht verliegen. Wenn sie über ein Jahr alt sind, muß man sie mit Vortheil einhetzen, so, daß man einen jungen Hund mit zwey alten lauffen lässet, und zwar im Herbst, da es viel junge Hasen giebt, die nicht so arglistig sind, die Hunde irre zu machen, wie die alten. Oder, man kan auch einen lebendig-gefangnen Hasen in einem Sack auf das ebene Feld tragen lassen: Wenn nun der Hase fortläuffet, lässet man einen alten und zween junge Wind-Hunde darhinter herstreichen, und eilet mit dem Pferde nach, um sie anzufrischen. Dieses thut man zwey- oder dreymal, so lernen sie fangen. Diejenigen Hunde, welche zusammen gewohnt sind, und mit einander schon öfters was gefangen, fasset man allezeit lieber an einen Hetz-Riemen zusammen, so secundiren sie einander am besten, also daß, wenn der schärfste Läuffer den Hasen rahmet, ihn der hintere oder letztere mehrentheils fangen wird. Zum Retter oder Schirmer erwehlet man insgemein den hertzhaftesten unter den dreyen jungen, welcher nach dem vorgeworffenen Brot am schärfsten greiffet, und die andern abweisen will, welchem man beystehet, und allezeit die Oberhand lässet, damit er gewiß versichert bleibet, er sey Hahn im Korbe, und habe vor denen andern etwas zum Voraus. Wenn der Retter den Hasen selbst fressen wolte, muß man ihme den Appetit mit der Hetz-Peitsche vertreiben. Anfänglich lässer man ihn zu Hause, und hetzet die zwey andern jungen vorhero erst mit einem alten und erfahrnen recht vollkommen ein. Wenn solches geschehen, kan man den Retter absonderlich zu fangen angewöhnen. s. Jagd-Hund.