Wolf, Lupus, Loup, Jst ein arglistiges, reissendes, schädliches Thier, sonderlich den Schafen aufsätzig, in der Grösse eines starcken Hundes. Jm Winter, wenn er sehr hungerig, greiffet er auch Menschen an; die Wölffe thun auch sonsten dem Wildpret grossen Schaden. Seine Stärcke bestehet meistentheils in dem Vordertheile des Leibes, der Brust, Schultern, Halse und Kopf, hinten aber ist er schwach, daß er daselbst leicht kan erschlagen werden. Jhren Gang nennen die Jäger Traben, und die Spur das Schnuren. Jhre Jungen bleiben 9 Tage blind, und verlassen die Mutter nicht eher, als bis sie jährig sind. Jhre Bisse haben etwas gifftiges an sich, und heilen ungerne. Die Augen gläntzen ihnen des Nachts wie ein Licht. Sie sind heiß-hungerig, und fressen ihren Raub mit Haut und Haar, hernach können sie wol etliche Tage fasten. Jm December gehen sie auf die Bruust oder rantzen, welches etwan 12 Tage währet: Sie tragen 2 Monat lang und haben so viel Junge als die Hunde; wenn sie ihren Jungen Speise zutragen wollen, fressen sie sich dicke voll, und kotzen oder speyen es in ihren Höhlen wieder heraus. So die Jungen aber ein wenig stärcker sind, bringen sie ihnen wol lebendige Gänse, Ferckel, Lämmer und dergleichen, damit sie solche erwürgen lernen. Wenn sie in einen Schafstall einbrechen, erwürgen sie zuvor die gantze Heerde, hernach fressen sie erst davon. An den vördern Füssen haben sie 5 Zehen, an den hintern aber nur 4, und im Winter pflegen sie grausam zu heulen. Jhr Alter erstrecket sich auf 12 bis 14 Jahr. Wenn ihn die Jäger schiessen wollen, ludern sie ihn zuerst, legen Aas vom Pferde oder Rinde hin, halten dabey des Nachts auf einem Baume oder in einer Hütte Wache; wenn er nun kömmt und davon frißt, geben sie ihm den Rest. Sie werden auch in den Wolfs-Gruben und Wolfs-Gärten gefangen, mit Hunden gehetzt, und im Winter mit Netzen gejagt. Weidmännische Redens-Arten von dem Wolffe sind, der Wolf heulet, frißt, zerreißt, hetzt, oder läuft, trabet, wird geludert, gehetzt, gejagt, gefangen, von Hunden erbissen, todt geschlagen, hat einen Balg, wird gestreifft. Sein Maul heist ein Gebiß, die Zähne werden Wolffs-Fänge genannt. Seine Füsse heissen Klauen, er wird in Garn oder in der Grube gefangen, die Wölffinnen traben und wolffen, wenn sie Junge haben; würgen, sagt man, wenn sie sich mit einander beissen.