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TierreichRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Schwein, Das wilde Schwein ist ein behertztes, grimmiges und unverzagtes Thier, welches, so bald es seine Zähne oder Waffen erreicht, schwer in die Flucht zu treiben. Es gehet dem Tode tapffer unter Augen, und widersetzt sich sowol Jägern als Hunden. Sie wandern Heerden-weise, ausser den grossen hauenden Schweinen, so sich allein halten, und nur in der Brunst-Zeit die Hecken suchen. Ein solches Schwein hält sich gemeiniglich an einsamen, bergichten und morastigen Orten auf, wo Eicheln, Buch-Eicheln, Castanien und wildes Obst zu finden, hat überaus scharfes Gehör, und wann sie von Hunden angegriffen werden, halten sie alle zusammen, und gehen auf solche grimmig los. Wenn ein Schwein dreyjährig wird, verlässet es die Heerde, und wohnet allein, bis zur Brunst-Zeit. Jhre Jungen werffen sie in ziemlicher Anzahl meistentheils in Höltzern. Dieses geschieht gemeiniglich im April, und sind die Ferckel anfangs mit roth und weissen Strichen umringet, so sich aber mit dem Alter in schwartz-dunckle Farben verkehren. Bey der Mutter bleiben sie so lange, bis sie übers Jahr wieder Junge wirft, alsdenn bleiben sie allein beysammen und nehren sich so gut sie können. Jm ersten Jahre heisset es ein jähriger oder heuriger Frischling. Jm dritten Jahr werden sie erst tüchtig zur Brunst, und bekommen auch mehr Hertz sich zu wehren, da sie dann ein Schweinbarn Keuler, im vierten aber hernach angehende Schweine, im fünften Jahre hauende, und im sechsten Jahr Haupt-Schweine genennet werden. Um Martini fängt ihre Brunst an, und währet 4 bis 5 Wochen, da auch die stärckern die schwächern verfolgen. Sie sind so starck, daß sie einen Menschen oder Hund in einem Streich können zu Tode hauen. Wenn sie geworffen werden, bringen sie alle ihre Zähne mit auf die Welt; diejenigen 4 werden eigentlich Waffen, Gewehr, Gewärf, auch Haderer oder Wehr-Zähne genennet, davon einer unten und einer oben zu beyden Seiten stehet, mit welchen sie zum schärfsten verletzen können. Sie leben 20, 25 bis 30 Jahr. Sie werden von den Jägern geschossen, welche sie körnen, und bey ihren gewöhnlichen Lagern ihnen auf den Bäumen aufpassen, und sie von dar erschiessen; oder sie werden mit Netzen und Pfählen umsetzet, und entweder aus den Schirm, oder aus einem Wagen erschossen, oder aber parforce mit grossen Englischen und gepanzerten Hunden gehetzet. Dieses letztere ist gefährlich, denn wenn das Schwein von den Hunden erzürnet, läuft es auf den ersten Jäger zu, der es (Hui-Sau) anschreyet; der mag sich wohl vorsehen, daß er feste stehet, und ihm mit seinem Fang-Eisen oder Schwein-Spieß den rechten Fang gebe, sonst möchte seiner übel gewartet werden, denn solte er fehlen, muß er gleich auf das Gesicht niederfallen, da er doch ungetreten nicht davon kommen möchte, so er nicht bald von andern secundiret wird. Sonsten wird es mit diesen Jagden, wie bey den Hirsch-Jagden gehalten, nur müssen die Pfähle und Netze auswendig geordnet werden, zu verwehren, wenn die Schweine solche mit ihrem Rüssel aufheben und unterwülen wollen. Es muß auch diese Jagd bald um Martini angestellet werden, da sie von den Eicheln und Holtz-Obst am fettesten seyn, hernach werden sie von der Brunst mager. Die gewöhnlichen Jagdwörter von den Schweinen sind: die Saue nennet man schwartz Wildpret, man macht einen Haag, bindet Seiler an, stellet Garn- und Wehr-Tücher. Das Schwein hat einen Kopf, Augen, Ohren, Rüssel, Schalen und Kräfften, Vorder- und Hinter-Läuffte, it. ein Lager, hat auf den Wiesen sehr gebrochen, (gewühlet), gehet auf die Brunst, und auf das Gras, wird gehetzt, kämpft oder streitet mit den Hunden, wird von Hunden gestellet, laufft ein, fängt sich ins Garn, wird von Hunden gefangen, hat scharffe Waffen, Gewerf oder Gewehr, (das ist Zähne) schlägt viele Leute oder Hunde darnieder, wird gefället, gebürschet, und demselben ein Fang gegeben, so zwischen dem Vörder-Lauf und Hals gleich zum Hertzen geschehen muß. Das Männlein oder der Eber heißt ein Sau-Schwein, die Mutter eine Bache. Die Haut wird das Schweins-Fell genennet, und eine Schwein-Hatz ist das Sau-Jagen.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 2095–2098Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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