Heinrich (Friedr. Heinr. Ludw.), Prinz von Preußen, der jüngste Bruder König Friedrichs II., wurde 18. Jan. 1726 zu Berlin geboren und, wie seine Geschwister, streng und einfach erzogen. Friedrich II. ließ dem Prinzen zunächst durch Oberst Stille eine gründliche wissenschaftliche Ausbildung uteil werden und nahm denselben als Obersten in denem Gefolge 1742 zu dem Feldzuge in Mähren mit. Der Prinz wohnte 1742 der Schlacht bei Czaslau bei, verteidigte 1744 mit Erfolg die Stadt Tabor in Böhmen und that sich 1745 in der Schlacht bei Hohenfriedberg hervor. Im J. 1752 heiratete er die Prinzessin Wilhelmine von Hessen-Kassel und erhielt vom König die schöne Domäne Rheinsberg, sowie einen Palast (die heutige Universität) in Berlin. Im Siebenjährigen Kriege bewährte sich Prinz H. als hervorragendster Heerführer neben dem großen König selbst. Nachdem er durch einen erfolgreichen Bajonettangriff an der Spitze des Regiments Itzenplitz viel zur Entscheidung der Schlacht bei Prag beigetragen, führte er bei Roßbach, wo er verwundet wurde, einen Angriff in die Flanke des Feindes und blieb nach dem Abmarsche des Königs mit 18000 Mann an der Saale stehen, um Sachsen während des Winters zu decken. Im J. 1758 wurde er an die Spitze einer Armee von 25000 Mann gestellt, um Sachsen zu decken und den Angriffen der an Zahl mehrfach überlegenen Reichsarmee zu begegnen. Durch kluge Manöver und kleine Gefechte hemmte er die Fortschritte der Gegner und verschaffte dem König die Möglichkeit, sein Heer nach der Niederlage bei Hochkirch wieder zu organisieren. Den glänzenden Feldzug von 1759 eröffnete er angriffsweise, drang in Wöhmen ein, zerstörte die Magazine der Hsterreicher und wendete sich hierauf gegen die Reichsarmee in Franken, der er viele Vorräte und Gefangene abnahm. Sodann übernahm er den Oberbefehl in Schlesien und wußte nach dem Verluste der Schlacht bei Züllichau (23. Juli) und noch mehr nach der Niederlage des Königs bei Kunersdorf (12. Aug.) durch täuschende Bewegungen das österr. und russ. Heer so lange in Unthätigkeit zu erhalten, bis sein Bruder den Verlust ersetzt hatte. Im J. 1760 bot er mit 40000 Mann den Russen die Spitze, entsetzte Breslau und zeigte namentlich darin sein Talent, daß er seine Zwecke ohne Schlacht und die mit einer solchen verbundenen, preußischerseits jedoch nur schwer zu ersetzenden Verluste erreichte. Im Feldzuge von 1761 beschränkte sich Prinz H. der Schwäche seines Heers (30000 Mann) wegen ganz auf die Verteidigung Sachsens und Berlins. Den Feldzug von 1762 eröffnete er angriffsweise und schlug anfangs die Osterreicher zurück. Hierauf folgten für ihn mehrere Unfälle, da er zu schwach an Truppen war, um der ihm gestellten Aufgabe genügen zu können. Dies veranlaßte ernstliche Zerwürfnisse mit dem König, im April 1762 wollte H. sogar den Oberbefehl niederlegen. Durch den Sieg aber, den er in der Schlacht bei Freiberg (29. Okt.) gewann, trug er nicht wenig dazu bei, das Ende des Kriegs herbeizuführen. Nach dem Friedensschlusse ging er wieder nach Rheinsberg und lebte dort seinen Freunden und der Litteratur; doch verursachte sein zu großes Vertrauen auf Personen, die dessen unwürdig waren, häusliche Verwirrungen, die ihn sogar veranlaßten, sich von seiner Gemahlin zu trennen. Der Anteil, welchen er während seines Aufenthalts in Petersburg 1770 an den Verhandlungen über die Teilung Polens nahm, erwarb ihm den Ruf eines geschickten Diplomaten. Im Bayrischen Erbfolgekriege rückte er mit 73000 Mann 1. Juli 1778 in Sachsen und, nachdem sich der Kurfürst mit ihm vereinigt, in teihn ei ein. Der Mangel an Lebens mitteln nötigte ihn jedoch zum Rückzuge. Im J. 1784 war er mit Verhandlungen, deren Spitze sich gegen Osterreichs Vergrößerungspläne richtete, in Paris betraut und auch an der Leitung der auswärtigen Politik, unter anderm bei Abschluß des Friedens * Basel 1795, beteiligt. Er starb 3. Aug. 1802 zu heinsberg, in dessen Park er eigener Anordnung zufolge unter einer Pyramide bestattet wurde. Vgl. Bouillé, Vie privée, politique et militaire du prince Henri de Prusse (Par. 1809); Schöning, „Der Siebenjährige Kriege (3 Bde., Potsd. 1851); Crousaz, «Prinz H., der Bruder Friedrichs d. Gr. v (Berl. 1876); H. von Bülow, «Prinz H. von Preußen, kritische Versuche seiner Feldzüger (Berl. 1805); G. de Morveau, «Vie privée d'un prince célèbre ou loisirs du prince Henri dans sa retraite de Rheinsbergo (Veropolis 1784).