Herwarth von Bittenfeld (Karl Eberhard), preuß. Generalfeldmarschall, gehört dem protestantisch gewordenen Zweige des alten Patriziereschlechts der H. in Augsburg an, dessen kath. weig, die H. von Hohenburg im Bayrischen, ausgestorben ist. Er wurde 4. Sept. 1796 zu Großwerther in der ehemaligen Grafschaft Hohenstein (Provinz Sachsen) geboren und trat 1811 in das damalige Normal-Infanteriebataillon ein, in welchem er 1812 zum Portépéefähnrich und 21. Febr. 1813 zum Offizier ernannt wurde. Beim Ausbruch des Kriegs 1813 trat H. anfangs zum Garde-Ersatzbataillon, später (10. Juni) mit dem Normal-Infanteriebataillon zu dem neuerrichteten 2. Garderegiment zu Fuß über und nahm 1813 an der Schlacht bei Leipzig und 1814 an der Schlacht von Paris (30. März), sowie an einigen Gefechten teil. Nach dem Kriege blieb H. 20 Jahre im Regiment, in dem er fünf Jahre Adjutant und seit 1821 Hauptmann war; 1835 erhielt er unter Beförderung zum Major den Befehl über das 2. Bataillon des damaligen Gardereserve-⸗Infanterie— (Landwehr⸗) Regiments, mit dem er noch in demselben Jahre die Heerschau bei Kalisch mitmachte. Nachdem er 1839 in das 1. Garderegiment zu Fuß versetzt worden, wurde ihm nach vorübergehender Führung des Kaiser-Franz-Grenadierregiments 1847 der in Jah über das 1. Garderegiment zuteil, das er ein Jahr später in den Straßen Berlins und auch später als Oberst (10. Mai 1848) bis 1850 führte, danach den Befehl über die 16. Infanteriebrigade und später über eine kombinierte Infanteriebrigade der Division Bonin erhielt, welche bei Kreuznach zusammengezogen und nachher in Hessen verwendet wurde. Bald darauf mit dem Oberbefehl über die preuß. Truppen in Frankfurt a. M. betraut, wurde H. 1852 zum Generalmajor, 1854 zum Kommandanten der Bundesfestung Mainz, 1856 zum Kommandeur der 7. Division ernannt. Zum Generallieutenant befördert (1856), wurde H. 1858 zur Besichtigung des österr. Bundeskontingents dem Prinzen Karl von Preußen beigegeben und erhielt 1. Juli 1860 unter Beförderung zum kommandierenden General das 7. Armeekorps (Westfalen), das er bei den großen Herbstübungen am Rhein 1861 führte. Hierauf wurde er zum Chef des 1. westfäl. Infanterieregiments Nr. 13 und 17. März 1863 zum General der Infanterie ernannt. In dem Kriege gegen Dänemark 1864, an welchem eine Division des 7. Korps teilnahm, erhielt H. den Befehl über das 1. mobile preuß. Armeekorps, nachdem Prinz Friedrich Karl dem Feldmarschall Wrangel in dem Oberbefehl über die preuß.⸗ österr. Streitkräfte gefolgt war. Als nach Beendiung der Verhandlungen zu London die Feindseligeiten wieder eröffnet wurden, nahm der General mit dem preuß. Korps 29. Juni die Insel Alsen, eine in der Kriegsgeschichte einzig dastehende Waffenthat, deren glückliche Durchführung eine ungewöhnliche Kühnheit des Entschlusses und die sorgfältigste Abwägung der vielfachen Verhältnisse erheischte, welche auf den Erfolg von Einfluß sein konnten. H. führte dies schwierige Unternehmen nach eigener Wahl des Übergangspunktes mit persönlicher Verantwortlichkeit selbständig und glücklich durch. Nach Abschluß des Wiener Friedens wurde H. zum Oberbefehlshaber in den Elbherzogtümern mit dem Sitze in Kiel ernannt und trug in dieser Zeit viel dazu bei, das Verhältnis zu dem Erb— prinzen von Hahlu adernt klarzulegen, bis ihm, noch vor Abschluß der Gasteiner Übereinkunft, 29. Juni 1865 das Generalkommando des 8. Korps in Koblenz übertragen wurde. Während des Feldzugs von 1866 führte General H. die Elbarmee, schlug die Gefechte von Hühnerwasser (s. d.) am 26. und von Münchengrätz (s. d.) am 28. Juni und nahm dann 3. Juli hervorragenden Anteil an der Schlacht bei Königgrätz, in welcher er nach dem Überschreiten der Biestritz durch die Erstürmung der Dörfer Problus und Prim den linken österr. Flügel zerschmetterte. Bei der Heerschau, welche der König über die Elbarmee 30. Juli vor Wien hielt, empfing H. den Schwarzen Adlerorden und übernahm nach dem Friedensschlusse wiederum die Führung des 8. Armeekorps. Im Juli 1870 wurde „zum Generalgouverneur im Bereich des 7., 8. und 11. Armeekorps-Bezirks ernannt und traf in dem bedrohten Grenzgebiet alle Vorbereitungen für die Landesverteidigung; später war H.s Thätigkeit während des Kriegs mehr polit. und organisatorischer Art. Dem General, welcher schon 1864 à la suite des 6. westfäl. Infanterieregiments Nr. 55 und 1866 à la suite des 2. Garderegiments zu Fuß gestellt worden war, wurde 8. April 1871 unter Versetzung zu den Offizieren von der Armee der Charakter eines Generalfeldmarschalls verliehen, als welcher er 15. Okt. desselben Jahres in Bonn sein 60jähriges Dienstjubiläum beging. Von seinen Söhnen wurde einer 1866 Invalid bei der Mainarmee, einer fiel 1870 als Bataillonskommandeur bei Vionville und ein anderer als Kompagniechef mit der Fahne des Füsilierbataillons des 3. Garderegiments zu Fuß in der Hand bei St.⸗Privat, ein vierter wurde bei Colombey schwer verwundet. Hans H. von Bittenfeld, geb. 12. Jan. 1800, Bruder des vorigen, trat 28. März 1815 als Füsilier in das 2. Garderegiment, wurde, ununterbrochen in der Garde verbleibend, 1856 General, dann Inspecteur der Besatzungen von Mainz und Rastatt, 1864 Gouverneur von Magdeburg, erhielt 1866 den Charakter als General der Infanterie und lebte seitdem, zur Disposition gestellt, zu Berlin, wo er 20. Mai 1881 starb. Friedrich Adrian H. von Bittenfeld, geb. 13. April 1802, jungster Bruder der vokigen, trat 1819 als Füsilier in das 2. Garderegiment, blieb in demselben bis 1842, war dann lange in der Adjutantur und dem Kriegsministerium, wurde 1858 General, nahm als Kommandeur der 4. Infanteriedivision am Kriege von 1866 und der Schlacht von Königgrätz teil, wurde 1867 Gouverneur von Königsberg, erhielt 1868 den Charakter als General der Infanterie, wurde 1870 zur Disposition gestellt und lebte danach in Merseburg, wo er in der Nacht vom 13. zum 14. Jan. 1884 starb.