Höchstes Gut (summum bonum) ist in der Moralphilosophie der technische Ausdruck für dasjenige Objekt des vernünftigen Willens, welches, wenn erreicht, die vollständige Befriedigung desselben mit sich führen würde. In dem Ablauf unserer Willensthätigkeiten begehren wir vieles, durch besondere Verhältnisse Gebotenes nur als Mittel zu einem höhern, tiefern Zweck. Diese teleologische Kette unserer Begehrungen muß einen Abschluß haben in einem chöchsten Gute, welches alle andern derartig in sich schließt, daß dieselben einerseits nur als Teile davon, andererseits als Mittel dafür erscheinen. Man kann deshalb in gewissem Sinne sagen, daß die Aufgabe der Ethik (s. d.) sei, zu bestimmen, was das höchste Gut für den Menschen sein soll. Eine oberflächlich psycholog. Abstraktion, welche allen Systemen des Eudämonismus (s. d.) zu Grunde liegt, hat von jeher diese Frage dahin beantworten zu dürfen gemeint, daß die individuelle «Glückseligkeito als dies höchste Gut zu bezeichnen sei, und nur eine schwache Korrektur dafür liegt in der mehr modernen Formel, welche in der agrößten Glückseligkeit der größtmöglichen Anzahls das höchste Gut sucht. Da es sich vielmehr für die Ethik darum handelt, zu bestimmen, worin der Mensch seine Glückseligkeit suchen soll, so darf dieselbe bei dem bloß formalen Prinzip der Glückseligkeit nicht stehen bleiben. (gl. Agathologie und Ethik.)