Hemiehkel (grch.), Halbkreis; hemicyklisch, halbkreisförmig. Hemidrie oder Hälftflächigkeit nennt man, im Gegensatz zur Holoedrie oder Vollflächigkeit, das gesetzmäßige Auftreten einer Krystallform mit nur ihrer halben Flächenzahl. Vielfach zeigt es sich, daß eine Krystallform zwar ihre Flächen in genau derselben Lage besitzt wie eine andere, aber diese Flächen nur in der halben Anzahl aufweist, weshalb man von der einen (holoédrischen) Form auf die andere (hemiedrische) gelangt, wenn man die symmetrisch verteilte Hälfte ihrer Flächen verschwinden läßt, wobei die übrigbleibende Hälfte für sich eine geschlossene, von untereinander gleichen Flächen begrenzte Gestalt bildet. So liefert das Oktäder bei der H. das Tetraéder, das Tetrakishexaéder erzeugt das Pentagondodekaöder, die hexagonale Protopyramide das Rhomböder. Dabei kann es verschiedene Modalitäten der H. geben, je nachdem auf diese oder auf eine andere Weise die Auswahl der zum Verschwinden bestimmten Hälfte der Flächen erfolgt ist. Aus dem Hexakisoktaéder entstehen z. B. nach zwei abweichenden Modalitäten der H. einerseits das Tetrakishexäder, andererseits das Dyakisdodekader. Doch muß bemerkt werden, daß bloß bei einer Anzahl von Krystallformen die H. die thatsächliche Ausbildung von nur der Hälfte der Flächen im Gefolge hat. Wenn andere Formen, z. B. der Würfel, von der H. erfaßt werden, so bleibt dessen von sechs gleichen Quadraten umschlossene Gestalt als solche bestehen. Hier äußert sich daher die H. nicht morphologisch, sondern lediglich in der Weise, daß die Räume zwischen den Hauptschnitten, welche äußerlich alle gleich erscheinen, doch physikalisch nur abwechselnd gleich sind: die acht Ecken des hemidrischen Würfels stimmen in physikalischer Hinsicht bloß abwechselnd überein. Man kann also die H. als die Erscheinung bezeich— nen, daß die Räume zwischen den Hauptschnitten — die Krystallräume — entweder in morphologischer oder in physikal. Hinsicht bloß abwechselnd gleich sind, wobei die Verteilung der gleichen Räume ganz regelmäßig ist. Es ist einleuchtend, daß bei jeder H. zwei hemidrische Formen entstehen müssen, welche sich gegenseitig zur holödrischen Stammform er— gänzen, daher sie komplementäre Formen, oder auch, weil sie bei völliger Ahnlichkeit einen Gegen— satz in der Stellung zeigen, Gegenkörper genannt worden sind. In der Natur findet eine strenge Scheidung zwischen holoédrischen und hemiädrischen Formen statt, indem eine und dieselbe, als Mineralart auftretende chem. Substanz entweder nur holoédrisch oder nur hemiädrisch, und im letztern Falle auch nur in einer bestimmten Modalität der