Hersfeld, Kreisstadt im Regierungsbezirk Kassel der preuß. Provinz Hessen-Nassau, in einem anmutigen Thale links an der Fulda, an der Einmündung der Geisa und Haune und an der Linie l Frankfurt-Bebra der Preußischen Staatsbahnen gelegen, ist Sitz eines Landratsamts, eines Amtsgerichts, dreier Oberförstereien und zählt (1880) 7065 meist prot. E. Die Stadt wird zum Teil noch von alten Festungsmauern umschlossen, aber an die Stelle der Wälle und Gräben sind Gartenanlagen getreten. Bemerkenswert sind das altertümliche Rathaus, die stattliche Pfarrkirche mit einem zierlichen Turme und einer großen Glocke, Anta die schöne Ruine der Stiftskirche, welche im nfang des 12. Jahrh. auf dem Grunde des abgebrannten alten Doms im byzant. Stile erbaut, im Siebenjährigen Kriege (1761) aber von den Franzosen ausgebrannt wurde. Das ehemalige Stift selbst bildet einen von der Stadt abgeschlossenen, die Kirchenruine umgebenden Bezirk von Gärten und Gebäuden, in denen die Ämter ihren Sitz haben. H. hat ein 1570 vom Abt Michael gestiftetes königl. Gymnasium, eine Bürgerschule, eine Handwerksschule, ein Waisen⸗ und ein Krankenhaus. Die Stadt hat bedeutende Tuchmanufaktur, neben welcher auch Baumwollfabrikation, Maschinenwollspinnerei, Färberei und Gerberei sowie Ackerbau und Handel betrieben werden. Die ehemalige reichsunmittelbare Benediktinerabtei Hersfeld wurde um 758 von Lullus, Erzbischof von Mainz, gestiftet, nachmals von Karl d. Gr. reich dotiert und stand unter dem Erzstift Mainz. Die Reihe der nachweisbaren Abte beginnt 769 mit dem heil. Lullus. Die Güter der Abtei, die bald durch ihre treffliche Klosterschule Berühmtheiterlangt hatte, erstreckten sich an beiden Ufern der Fulda in dem fränk. Hessengau und dem Tullifelde, „olich über die Wetterau und bis jenseit des Rheins, östli nach Thüringen hinein. Durch die ganze Geschichte des Stifts zieht sich ein Streit mit dem Stift Fulda, der H. seit Anfang des 16. Jahrh. nötigte, sich immer enger an seinen Schirmvogt, den Landgrasen von Hessen, auzuschließen, dem es auch 1525 huldigte. Schon der Abt Crato I. (1517—56) war ein großer Verehrer Luthers. Doch behielt das Stift unter ihm wie unter seinen gleichgesinnten Nachfolgern noch immer einen Schein von Katholizismus, bis der Abt Joachim Röll dasselbe bei seinem Tode 1606 dem Sohne des ihm befreundeten Landgrafen von Hessen, Otto, als weltlichem Administrator hinterließ. Die förmliche Organisierung H.s als weltliches Fürstentum (570 akm) erfolgte erst 1648 im Westfälischen Frieden, wo es definitiv in dieser Eigenschaft an Hessen-Kassel abgetreten wurde. Der Kreis Hersfeld zählt(1880) auf 506 qm 33 469 meist prot. E.