FeedHerrnhut
ErdkundeBrockhaus 1882

Herrnhut, Flecken in der sächs. Kreishauptmannschaft Bautzen, Amtshauptmannschaft Löbau, Stammort der erneuerten evang. Brüderkirche oder Brüdergemeine (s. d.), an der Linie Löbau-Zittau der Sächsischen Staatsbahnen und am südl. Abhang des Hutbergs, 346 m hoch gelegen, ist Sitz eines Amtsgerichts und zählt (1880) 1142 E. Die Wohngebäude, unter diesen besonders das Brüder-Schwestern- und das Witwenhaus, zeichnen sich durch Regelmäßigkeit der Bauart, Einfachheit und Geschmack, die Einwohner durch Arbeitsamkeit, Reinlichkeit, Vermeidung alles Prunks und stilles Verhalten aus. Die feinen und dauerhaften Arbeiten der dortigen Handwerker und Fabrikanten finden weit und breit Anerkennung und Absatz, besonders Leinwand, weibliche Arbeiten, Tabak und Cigarren. Auch ist hier eine Bleich⸗ und Appreturanstalt, Maschinenfabrik und Kunsttischlerei. H. wurde 1722 von mähr. Auswanderern, zum Teil Nachkommen der alten böhm.⸗mähr. Brüderkirche, auf dem Grund und Boden des damals dem Grafen von Zinzendorf gehörigen Ritterguts Berthelsdorf erbaut. Von H. aus hat sich die Brüdergemeine in die verschiedensten Teile der Erde verbreitet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 160Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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