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ErdkundeBrockhaus 1882

Heiligenstadt, Kreisstadt im Regierungsbezirk Erfurt der preuß. Provinz Sachsen, früher die Hauptstadt des kurmainzischen Eichsfeldes, links an der Leine, in 266 m Höhe, Station der Linie Halle-Nordhausen-Münden der Preußischen Staatsbahnen, ist Sitz eines Amtsgerichts nebst Strafkammer und eines Landratsamts (beide im ehemaligen Schlosse des kurmainzischen Statthalters), hat zwei kath. Haupt⸗ und drei Nebenkirchen, sowie eine evang. Kirche im got. Stil aus dem 13. und 14. Jahrh., unter denen die Liebfrauenkirche mit der got. Annenkapelle sich auszeichnet, ein kath. Gymnasium, ein kath. Schullehrerseminar mit Präparandenanstalt, ein Kranken⸗ und Waisenhaus, ein Hospital und zählt (1880) 5411 meist kath. E., welche Ackerbau betreiben, mehrere Cigarrenfabriken, eine Dampfpapiermühle, eine Nadelfabrik und eine mechan. Weberei unterhalten. H. bekam 1227 Stadtrechte durch den Erzbischof Siegfried II. von Mainz und wurde 1802 preußisch. Der Kreis Heiligenstadt zählt auf 433,8qEm (1880) 38846 überwiegend kath. C. Heiliger-Geist-Orden (Ritterorden des Oder des Geistes zum gerechten Verlangen oder des Knotens), wurde von Ludwig von Tarent 1352 zur Erinnerung an seine Krönung zum König von Jerusalem und Sicilien gestiftet, zählte 300 Ritter, erlosch aber mit dem Tode des Stifters. Ein anderer H. wurde in Frankreich vom König Heinrich III. 30. Dez. 1578 zum Andenken an seine Thronbesteigung in Frankreich und seine Berufung auf den poln. Thron, welche beide am Pfingstfest stattfanden, gestiftet. Derselbe setzte den Besitz des Michaelordens voraus und zählte 100 Ritter, Ausländer ungerechnet. Das Ordenszeichen war ein grünes achtspitziges Kreuz, auf welchem eine abwärts gekehrte silberne Taube ruhte. Das Band war himmelblau und die Ordenskette golden, aus Lilien, Waffentrophäen und gekrönten Heiligen zusammengesetzt. Durch die Revolution 1792 beseitigt, wurde er 1814 durch Ludwig XVIII. erneuert, aber durch Dekret Ludwig Philipps vom 10. Febr. 1831 wieder aufgehoben. Ein Orden des Heiligen Geistes von Montpellier wurde 1198 von einem Grafen Guy zu Montpellier zur Unterstützung der Kranken und Armen gestiftet und vom Papst Innocenz III. bestätigt. Papst Clemens XIII. vereinigte ihn mit dem Lazarusorden. [cheilige).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 35Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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