Heß (Heinr. Herm. Jos., Freiherr von), österr. Feldmarschall, geb. 17. März 1788 zu Wien, trat 1805 als Fähnrich in das Infanterieregiment Graf Gyulay, wurde aber bald dem General-Quartiermeisterstabe zugeteilt, zu trigonometr. Arbeiten verwendet und 1809 als Oberlieutenant in denselben versetzt. Nachdem er sich bei Aspern und Wagram unter den Augen des Erzherzogs Karl ausgezeichnet, nahm ihn dieser als Kapitänlieutenant in sein eigenes Regiment, von welchem er 1813 als Hauptmann wieder in den General-Quartiermeisterstab gelangte und dem General Graf Bubna zugeteilt wurde. Nach dem ersten Frieden von Paris ging er in be⸗ . Aufträgen nach Piemont, und beim Wierausbruch des Kriegs 1815 wurde er zum Major befördert und im Hauptquartier des Fürsten Schwarzenberg verwendet. Hierauf als Bataillonskommandant zur Infanterie versetzt, wirkte er nach Unterdrückung der polit. Unruhen in Oberitalien zwei Jahre lang als zweiter Militärkommissar in Piemont. Im J. 1822 rückte er zum Oberstlieutenant auf, und 1829 erfolgte in besonderer Bevorzugung seine Ernennung zum Obersten und Regimentskommandanten. Als Radetzkty im März 1831 den Oberbefehl in Italien erhielt, trat ihm H. als Chef des General-Quartiermeisterstabes zur Seite. Nach den Andeutungen Radetzkys entwarf er eine neue Manövrierinstruktion für Infanterie, Kavallerie und Artillerie, welche sich bei den berühmt gewordenen Herbstmanövern in Oberitalien sehr bewährte. A J. 1834 wurde H. Brigadegeneral in Mähren. Nachdem ihm 1840 die Leitung des General-Quartiermeisterstabes übertragen worden, erhielt er mehrere Sendungen in Bezug auf die Bundes-Militärorganisation an süddeutsche Höfe, 1841 auch nach Berlin. Im J. 1842 wurde er Inhaber des 49. Infanterieregiments, welches für immer seinen Namen trägt. Sodann erfolgte 1843 seine Ernennung zum Feldmarschalllieutenant. Beim Ausbruch der Revolution von 1848 trat H. wieder als Chef des Generalstabes zu Radetzky und bekundete sein hervorragendes strategisches Talent in der Vorbereitung der Operationen, welche die österr. Armee zum Siege führten. Er schloß den Waffenstillstand ab, nach welchem die Piemontesen sich hinter den Ticino zurückziehen mußten. In dem Feldzuge von 1849 erkannte Radetzky durch Tagesbefehl den großen Anteil seines Generalstabschefs an dem Siege bei Novara an. H. erhielt dafür das Großkreuz des Leopoldordens, 1850 auch das Kommandeurkreuz des Theresienordens. Außerdem wurde er zum Geheimrat, außer der Reihe zum Feldzeugmeister und gleichzeitig zum wirklichen Chef des General-Quartierstabes, sowie zum Freiherrn, Ende 1850 endlich zum Generalstabschef des Kaisers ernannt. In den J. 1851 und 1853 betraute man ihn mit militärischen Missionen nach Warschau, Petersburg und Berlin. Nachdem er 1854 während des Orientkriegs den Vertrag mit Preußen abgeschlossen, befehligte er sodann die in Galizien und Siebenbürgen aufgestellten Truppen und veranlaßte die Russen zur Räumung der Donaufürstentümer. Nach Beendigung des ital. Feldzugs von 1859 wurde er zum Feldmarschall befördert und 1860, unter Enthebung von seiner Stelle als Chef des Generalstabes, zum Hauptmann der Trabantengarde ernannt. Im e 1861 erfolgte seine Berufung als lebenslängliches Mitglied in das Herren⸗ * 1862 ward er mit der Kanzlerwürde des eopoldordens betraut. H. starb 13. April 1870 Wien. Vgl. «General H. in lebensgeschichtlichen mrisseno (Wien 1855).