FeedHicks Pascha
GeschichteBrockhaus 1882

Hicks Pascha, brit. Offizier, trat jung in den brit. Militärdienst und stieg im brit.⸗ind. Heere bis zum Obersten auf. Als im Winter 1882/ꝗ3 die ägypt. Regierung den Aufstand im Sudan (. d.) nicht bewältigen konnte, sandte die brit. Regierung n als Stabschef zu der Sudanarmee. Er geangte 9. März 1883 ++ wo er ein Truppenkorps von 5000 Mann organisierte, und reiste 4. April mittels Dampfschiffs nach Gawa, wo er 7. April 4800 Mann ägypt. Infanterie, 1200 irreguläre Reiter und 100 Kamelreiter, 6 Mitrailleusen und 6 Haubitzen vereinigt hatte; bis zum 22. April wurde ein Kameltrain (6000 Kamele) organisiert. H. rückte am Nil aufwärts, wurde 29. April bei Morabia durch 45000 Mann großenteils arab. Reiter, angegriffen, erfocht jedo einen glänzenden Sieg. H. ließ einen Teil seiner Truppen am Weißen Nil stehen und kehrte nach Chartum, welches inzwischen von El Obeid her bedroht worden war, zurück. H. traf gegen Ende Mai in Chartum ein und organisierte im Lager von Umderman, Chartum gegenüber, aus den vorhandenen Stämmen, geworbenen Negern und nacheschickten Verstärkungen ein neues Expeditionsorps. Zu Anfang August wurde H. der Oberbefehl über alle im Sudan stehenden ägypt. Truppen übertragen. Der Aufstand hatte sich inzwischen weiter ausgebreitet und die Hauptmasse der Aufständischen war bei El Obeid versammelt. H. hielt 8. Sept. bei Chartum Heerschau und rückte am folgenden Tage mit 14000 Streitbaren und einem zahlreichen Train den Nil aufwärts bis Duem, ließ dort in wohlbefestigter Stellung 2000 Mann stehen und wendete sich 27. Sept. gegen El Obeid; vom 17. Okt. ab gelangte keine Nachricht vom Heere nach Duem, und das Heer hatte damals erst 75 km zurückgelegt, aber durch Hitze und Wassermangel viel Menschen und Tiere verloren. Er hatte indessen noch gegen 7000 Mann reguläre Infanterie, 500 Mann reguläre Kavallerie, 200 Kamelreiter, 18 Geschütze und 6 Nordenfeldt-Mitrailleusen bei sich, sowie einige tausend Baschi-Bosuks zum Schutz des Trains. Das Heer des Mahdi (s. d.) war um die Mitte des Oktober von El Obeid aufgebrochen und gegen eine Viertelmillion Streiter stark, vermied jedoch zunächst die Schlacht und beschränkte sich darauf, die Brunnen auf der von H. gewählten Marschlinie durch Streifkorps zu zerstören und die Nv. Truppen beständig zu beunruhigen. Am 1. Nov. näherte sich H. von Südwesten 951 El Obeid und schlug die Vortruppen des Mahdi, teilte hierauf vorübergehend sein Heer und wurde 3. Nov. bei Melbeis und Kasgil von sehr überlegenen Kräften überraschend angegriffen. Nach blutigem Kampfe gelang es zwar, das Heer am 4. Nov. wieder zu vereinigen, doch war man von den Wasserstellen abgedrängt worden und hatte die gesamte Munition verbraucht. H. stellte sich, den Revolver in der Hand, an die Spitze der ägypt. . und versuchte, sich mit dem Bajonett Bahn zu brechen, fand jedoch im Handgemenge den Tod. Auch sein ganzes Heer wurde vernichtet und die Geschütze von den Aufständischen, welche in dem viertägigen Kampfe selbst 60000 Mann verloren hatten, erbeutet; doch soll ein Teil der regulären Infanterie in den Dienst des Mahdi getreten sein. Durch diesen Sieg war der Mahdi zum Herrn des Sudan geworden und die Macht der ägypt. Regierung dort völlig gebrochen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 217Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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