FeedHussein Awni Pascha
GeschichteBrockhaus 1882

Hussein Awni Pascha, osman. General und Staatsmann, geb. 1819 zu Dost-Koj, einem Dorfe bei Isparta, im westl. Kleinasien, war schon 1850 Major. Danach wurde er Lehrer an der Harbije Mekteb und 1853 Ut Kahtandewmde Omer Paschas. Im Kriege mit Rußland wurde er zum Obersten ernannt und ging 1855 mit dem Serdar CEkräm Omer Pascha nach der abchasischen Küste ab, stand eine Zeit lang in Suchum Kaleh- und nahm an der Schlacht am Flusse Ingur teil. Noch im Laufe der Campagne wurde er zum Liwa (Brigadegeneral) befördert. Im Kriege mit Montenegro 1859—60 war er Divisionsgeneral, wurde aber vom Kriegsschauplatze abberufen und an die Spitze der Dar-i-Schura leine Art allgemeines Kriegsdepartement) gestellt. H. wurde 1864 zum Müschir (Marschall), zum Kommandanten des Gardearmeekorps und zum stellvertretenden Seraskier ernannt, aber 1866 in den Sturz Fuad Paschas mit verwickelt und erst 1867 wieder als Kommandant gegen die Insurgenten auf Kreta verwendet. Nachher befehligte er das Observationskorps an der griech. Grenze, kehrte aber bald als Generalissimus nach Kreta zurück, wo er den Aufstand völlig dämpfte. H. wurde hierauf zum Kriegsminister ernannt und führte nun ein längst geplantes Werk, die Reorganisation der osman. Armee, durch. Nach dem Tode Aali Paschas (Sept. 1871) verlor H. seine Stellung als Kriegsminister und wurde während mehrerer Monate nach Isparta verbannt. Erst nachdem (1872) Midhat Pascha Großvezier geworden, kehrte H. nach Konstantinopel zurück. In der nachfolgenden Zeit gelangte er selber (Febr.1874)zum Großvezierat und behauptete sich auf diesem Posten bis zum 25. April 1875. Hierauf nach Smyrna, als Generalgouverneur der gleichnamigen Provinz, gesendet, nahm er bald Panten Abschied, trat aber 25. Aug. 1875, gleichzeitig mit Midhat Pascha, als Kriegsminister in das bald danach von Mahmud Nedim Pascha gebildete Ministerium ein, aus dem er jedoch bereits 1. Okt. 1875 ausschied. Hierauf ging H. als Generalgouverneur der Provinz Khudavendighiar nach Brussa. Nach dem Sturze Mahmud Nedim Paschas (11. Mai 1876) kehrte er nach Konstantinopel zurück, um abermals die Stellung des Seraskiers einzunehmen. Bei der am 29. Mai erfolgten Absetzung des Sultans Abd-ul-Asis war H. es, dem die Hauptrolle zufiel. Persönlich erschien er nachts im Palais von Dolma-Bagdsche, um dem Sultan Nachricht von seiner Entthronung zu geben und ihn als Staatsgefangenen zum Palais von Top-Kapu abzuführen. Der Haß der mit den Interessen des gefallenen Herrschers Nächstverbundenen richtete sich daher am heftigsten gegen H. Als in der Nacht vom 15. zum 16. Juni 1876 die osman. Minister sich im Konak (Hause) Midhat Paschas zum Conseil versammelt befanden, drang der Tscherkeß Hassan in die Versammlung ein und es gelang ihm, H. zu töten, bevor er selbst überwältigt wurde. ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 481Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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