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ErdkundeBrockhaus 1882

Hilla, Hilleh oder El-Hellah, Stadt und Garnisonsplatz im türk. Vilajet und 90 km südlich von Bagdad, auf den Ruinen von Babylon, an beiden Ufern des von prächtigen Dattelwäldern und blühenden Gärten eingefaßten und von einer Pontonbrücke überspannten Euphrat gelegen und von einer schwachen Ringmauer umgeben, ist der Hauptort des Liva Diwanieh, sowie Sammelplatz ast aller nach den heiligen Stätten Nedschef oder eschhid-Ali und Kerbela oder Meschhid Hussein (Husseins Grab) ziehenden Pilgerkarawanen. Der ziemlich ärmlich gebaute Ort hat gegen 10000 E meist schiitische Araber und Perser, namentlich einige sehr reiche Pensionäre der ostind. Regierung, nebst wenigen Christen und 400 Juden. Unter den öffentlichen Gebäuden sind eine sunnitische und 12—15 schiitische Moscheen, darunter die von Es-Schems, Bäder und zwei Kasernen bemerkenswert. Die Bazare sind ärmlich. Die Industrie erstreckt sich auf Verfertigung von Meschlachs (arab. Wollmäntel), Käs (dünner Hemdenstoff aus Seide), Topfwaren und Dattelspiritus. Im Rufe stehen die Datteln, die Fische und die sauere Milch des Ortes. — Das Sandschak Hilla (leinschließlich Kerbela) zählt (1879) 700000 E., darunter 51000 seßhafte Bewohner und 649 000 Nomaden. „Hillebrand (Jos.), Philosoph und Litterarhistoriker, geb. 1788 zu Großdüngen bei Hildeshen; erhielt seine Bildung auf der Lateinschule und dem kath. Gymnasium zu Hildesheim, trat in das dortige Klerikalseminar und ging dann zu weiterer Ausbildung in den altklassischen und orient. Sprachen nach Göttingen. Sodann erhielt er eine Stellung als Lehrer am Josephinum in Hildesheim, aus der er jedoch, um nicht in den geistlichen Stand treten zu müssen, ausschied. Er ging hierauf als Begleiter eines jungen Belgiers nach Würzburg und ward von hier aus als außerord. Professor der Philosophie nach Heidelberg berufen, wo er nach Hegels Abgange (1818) dessen ord. Professur erhielt. Schon lange vorher war H. zum Protestantismus übergetreten. Er folgte 1822 einem Rufe nach Gießen, wo er bald darauf auch Pädagogiarch an dem dortigen akademischen Gymnasium, später auch Mitglied des Oberstudienrats wurde. In der Ständeversammlung von 1848 war er eine Zeit lang Präsident der Zweiten Kammer, wo er, wie auch auf den spätern Landtagen stets mit der liberalen Opposition stimmte. Na Auflösung des Landtags im Herbst 1850 in den Ruhestand versetzt, lebte er seitdem in Rödelheim und Soden am Taunus wo er 25. Jan. 1871 starb. Seine litterarische Wirksamkeit erstreckte sich teils über das philosophische und pädagogische, teils auf das belletristische und litterarhistor. Gebiet. Ersterm gehören unter seinen Schriften an: „(Die Anthropologie als Wissenschafto (3 Tle., Mainz 1822—23) Lehrbuch der theoretischen Philosophie und Wpilor Propädeutiko (Mainz 1826), „Litterarästhetikos (2 Bde., Mainz 1826), «Universalphilos. Prolegomena v (Mainz 1830), «Der Oranismus der philos. Ideer (Dresd. u. Lpz. 1842). n diese schließt sich sein philos. Hauptwerk: «Die Philosophie des Geistes (2 Tle., Heidelb. 1835), in welchem er in Bezug auf die Genesis des Geistes eine Vermittelung zwischen Hegel und Leibniz versucht. Den meisten Anklang jedoch hat «Die deutsche Nationallitteratur seit dem Anfange des 18. Jahrh.» (3., von seinem Sohne besorgte Aufl., 3 Bde., Gotha 1875) gefunden, ein durch Gründlichkeit, Schärfe und ansprechende Form ausgezeichnetes Werk. 1

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 237Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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