Aleppo oder Haleb-es-Schabba, Hauptstadt des gleichnamigen Vilajets (105 561 qkm mit 432 744 CE.) im nördl. Syrien, liegt zwischen Orontes und Euphrat am Steppenflusse Koik (gewöhnlich Nahr-el-Haleb genannt), am nordwestl. Eingang des großen syr.⸗arab. Wüstenplateau, in einem weiten, rings von dominierenden Kalksteinwänden eingeschlossenen Kesselthale, in 380 m Höhe, 200 km nordnordöstlich von Damaskus. Die fruchtbaren und durch ausgezeichnete Pistazienpflanzungen berühmten Gärten zu beiden Seiten des wasserreichen und bisweilen reißenden Flusses bilden die einzige belebte Unterbrechung in der öden Umgebung der Stadt, welche noch gegenwärtig mit ihren zahllosen Kuppeln und Minaretts, den reinlichen, gepflasterten Straßen, den durchaus massiven Häusern zu den schönsten Städten des Orients gehört. Obgleich sie 11 km im Umfang hat, zählt sie jetzt doch nur etwa 90—100 000, zum größern Teil mohammed. E. Die christl. Bevölkerung von ungefähr 16 000 Seelen besteht überwiegend aus Griechen, außer welchen es hier noch 2000 Armenier, 2000 Maroniten und eine kleine Anzahl syr. Katholiken gibt, während die Juden mit 4500 Seelen vertreten sind. Auch eine kleine prot. Gemeinde von Amerikanern 47 sich hier gebildet. Noch zu Anfang des 19. ahrh. hatte A. über 200000 gewerbfleißige und Baumwolle 2 Bewohner, deren Fabriken in Seide, aumwolle, Wolle, in Gold⸗ und i. u. s. w. den ganzen Orient versahen. Allein das Erdbeben vom 24. Aug. 1822, die Pest 1827 und die Cholera 1832 brachten die Stadt herunter. Zwar wurden unter der ägypt. Herrschaft eine Citadelle nordwestlich von der Stadt und einige andere Gebäude errichtet; allein kaum die Hälfte der Mos cheen und Bäder befindet sich wieder in brauchbarem Zustande. Die 11 km lange röm. Wasserleitun ist das älteste Monument der Stadt. Eine 10 mhohe und 6,5mdicke Mauer mit sieben Thoren scheidet die Vorstädte ab. Der schöne Bazar umfaßt mehrere Straßen, ist durchaus gewölbt und erhält von oben, durch zum Teil in eigenen Kuppeln angebrachte Fenster, das Licht. Es befinden sich in A. sieben christl. Kirchen nebst drei Klöstern und die Moschee el-Halawe, in altröm. Stile, welche ursprünglich eine von der Kaiserin Helena gebaute christl. weiche war. Hauptgegenstände des Exporthandels, welche meist nach Frankreich und nach den türk. Häfen gehen, zugleich die Hauptprodukte des Landes, sind Scammonium, Galläpfel, Gummiarten, Seide, Wachs, Salzfisch, Wolle, Baumwolle, Felle, Seife, Tabak, Weizen Pistazienkerne, Sesam und Farbstoffe Krapp und Gelbbeeren). Die Einfuhr besteht in Kolonialwaren, franz. und ital. Weinen, Indigo, Cochenille, Leder Tuch, Stahlwaren, Baumwollstoffe, Petroleum. Die Industrie beschränkt sich auf Seidenstoffe. Von den ehemaligen 11000 Seidenwebstühlen waren 1876 jedoch nur noch 700 im Gange, und sie liefern rohe Fabrikate. Die Stadt einst ein Mittelpunkt sarazen. Macht, trägt noch jetzt rein arab. Charakter. Ein großer Teil der Bewohner sind Scherifs, d. h. Nachkommen Mohammeds; sie sind die mildesten und tolerantesten Bekenner des Mohammedanismus. — Durch Seleukus Nikator wurde A., das bei Ptolemäus Chalybon heißt, verschönert und Beröa genannt. Letztern Namen führte die Stadt durch die Römerzeit bis 638, wo sie durch die Araber erobert wurde und ihren alten Namen wieder erhielt. Die Seldschuken gründeten hier 998 ein Sultanat, das jedoch bloß bis 1117 dauerte. Die damals sehr bedeutende Stadt wurde 1260 von den Mongolen und 1400 von den Horden Timurs erobert und geplündert. Später kam sie unter die Mamelucken Agyptens und wurde 1516 durch Selim J. dem türk. Reiche einverleibt. Sie soll damals an 300 000 E. gehabt haben. In neuerer Zeit ward A. berüchtigt durch die im Herbst 1850 an den dortigen Christen verübten Greuel und die damit verbundene Empörung, welche im November Kerim Pascha mit den Generalen Bem und Guyon blutig unterdrückte.