FeedAralsee (d. h. Inselsee)
ErdkundeBrockhaus 1882

Aralsee (d. h. Inselsee), das Blaue Meer der Russen, das ume Sre Or (Inselmeer) der Kirgisen, im Altertume See Oxiana, im Mittelalter Meer von Khowaresm v oder Khuarism genannt, nächst dem Kaspischen Meere der größte Steppensee Asiens, und nächst diesem und dem Obersee in Nordamerika der größte See der Erde, liegt im O. des Kaspisees in der aralo ⸗kaspischen Erdsenke Turans, umgeben von den Steppen und Wüsten Chiwas, des Kirgisenlandes und des 65 — 218 m Turt und an der schmalsten Stelle 27,50 m breiten t urkmenen-Isthmus oder des Plateau Ust-urt, welches ihn von dem Kaspisee trennt. Der See ist 450 km lang, 220 — 300 km breit, bedeckt 66 998 qkm und liegt 8,12 müber dem Schwarzen Meere und danach 33,8 meüber dem Spiegel des Kaspischen Meeres. Seine Tiefe ist in der Mitte m, nach den Rändern an der Nord⸗, Ost⸗ und Südseite hin gering. Der Boden des A. besteht i in seinem nordwestl. Teile aus Schlamm, im südöstlichen aus Sand. Eine Abnahme des Wassers durch stärkere Verdampfung als Zuströmung s eint unbestreitbar, daher auch im Laufe der Zeit eine veränderte Küstenkonfiguration. Die ehemals vorhandene Carn-Ti ai ist verschwunden, und die nordöstl. Sary-Tschaganak, d. h. 1 0 Bai, soll vormals bis zum Hügel Sary-Bulak gereicht haben. Andererseits wird ein vier bis Fint Jahre währender Wechsel des Steigens und Sinkens für den Spiegel des Sees behauptet. In der Nähe der Inseln und des nördlichen, besonders aber des östl. und südl. Gestades nimmt die Tiefe allmählich ab, während sie am westlichen so zunimmt, daß sie fast am Ufer selbst 67 m erreicht. Klippen finden sich nur bei einigen —.— und bei der Halbinsel Kulandi im NW.; Sandbänke im offenen Meere nirgends, aade un nur um die sandigen und die niedrigen Gestade und die Inseln. Gute Ankerplätze 700 fast gänzlich, namentlich am üdl. und westl. Ufer; vollständig geschützte Häfen finden sich nur drei. Das Wasser des Sees ist alzig, aber bedeutend weniger als das des Hceans, infolge des großen Süßwasserzuflusses, welchen er durch seine mächtigen Zuflüsse, den Sir (s. d.) ober Sihon GJaxartes) im NO. und den Amu (s. d./, oder Gihon (Oxus) im S., erhält. Der Amu scheint einst Abfluß in den Kaspisee gehabt und der A. selbst ehemals in Verbindung mit demselben gestanden zu haben. Der See hat Störe, Welse, Karpfen und eine besondere Art Heringe, dagegen Robben, im Kaspisee so häufig, gar nicht. Der A. gehört zu den stürmischsten Gewässern. Gleichmäßige Winde, die mehrere Tage hintereinander wehen, gibt es auf ihm nicht. Meist herr-Din entweder gänzliche Windstille oder sehr starke inde, nicht selten furchtbare Stürme; diese und das überhaupt sehr unruhige Wasser mögen Grund sein, daß man zuweilen schwimmende Inseln, wohl losgerissene Uferstrecken voller Schilf und Tamarisken, vorfindet. Die Rordostwinde 0. r vor und wehen oft ganze Monate hindurch. Zur Be-Whifume des Sees erwiesen sch Segelfahrzeuge als unzureichend; man bedient sich eiserner Dampfboote von geringem Tiefgange. Auch unterhält Rußland hier eine bewaffnete Flotte. Unter den zahlreichen Rl lu ist die größte die 1848 entdeckte Nikolai⸗-Insel (unter 45 nördl. Br.), die zur Gruppe der Zareninseln gehört. Nördlicher liegt die Insel robulScro5 und jenseit des 46.“ nördl. Br. die ebenfalls große Insel Kug-Aral. Zwischen dieser und dem kleinern, vor der Mündung des Sir gelegenen Eilande Kuß-Aral * eine „Orosen Airer Sees aus dessen südl. Teile, dem „Großen Meerev (Ulu-Dengis), in das nur etwa 5500 km große nördl. Bassin des „Kleinen Meereso (Kitschkine-Dengis), das stellenweise bis 23 m tief ist und mehrfach tief in das Land einschneidet. Die Ufer des A. bilden eine im Sommer gänzlich unbewohnbare Wüste, während man im Winter eine Anzahl kirgis. Nomaden am nördl. und östl. Ufer sowie auf den benachbarten Inseln findet. Süßwasserbrunnen sind nur med vorhanden. Das nördl. Ufer ist stellenweise niedrig und sandig, größtenteils aber von Hügeln gebildet, deren Bestandteile Thon und Salz sind, und die sich 31 - 93 müber den Spiegel des Sees erheben, in t auh arn Senkung nach N. Dieses nördl. Ufer ist auch am meisten ausgezackt und bildet Halbinseln und Vorgebirge mit den tiefen Buchten Tschernyschew sder Kum-Suat, Tschebas, Paskjewitsch, Perowsky und Sary-Tschaganak. Das westl. Ufer erstreckt sich von der Schlucht Kara-Tamak bis zum Vorgebirge des Hochplateaus Usturt, Urgu-Murun, ist ziemlich geradlinig, ohne erhebliche Buchten und erhebt sich, besonders in seinem mittlern Teile, mit unregelmäßig zerklüfteten, steilen und zum Teil 160 m hohen Fchsen Das südl. Ufer liegt im allgemeinen niedrig und besteht aus Schlamm und Sand, der vom Amu angeschwemmt und mit Kamysch bewachsen ist. An der Südwestecke, westlich von der Mündung des Amu und der Insel Takmak-Aty, reicht in südl. Richtung wohl an 125 km weit der Sumpfsee Aibugir, in den sich der bedeutendste Nebenarm des Amu, der Laudan, ergießt, in das Wüstenland busen und endet im SW. mit dem Ak-Tschaganakusen; zwischen den Amumündungen greift die Taldyckbai hinein, und östlicher liegt die Iske-kukuzuk-Bai. Das Ostufer des Sees ist im allgemeinen ebenfalls niedrig, Oud e zum Teil mit Dünen besetzt, mit Kamysch und Gesträuch bewachsen, vielfach gekrümmt und zerrissen durch — neidende Buchten mit engen Eingängen, und begleitet von einem ganzen Schwarme von Inseln, die außerordentlich * an Wasservögeln (Kropfgänsen, Seeraben, Meerschwalben, Möven, Schwänen u. a.) wie die Ufer selbst. Der A. ist jetzt ein russ. See. Schon Peter d. Gr. zog ihn in seine Plane zu einer Handelsverbindung mit Centralasien und Indien, die jedoch nicht zur Ausführung kamen und dem Fürsten Bekowitsch Tscherkaschkif zu Chiwa das Leben kosteten. Unter der Kaiserin Anna erhielt der Staatsrat Kirilow 1734 den Auftrag, am A. einen Hafen zu ründen und Schiffe zu bauen; aber auch diese erfügung wurde 1739 zurückgenommen, weil die Umgegend zu wenig bekannt wäre. Indes verdankte man Gladischews und Murawins Reise nach Chiwa 1740 — 41 eine Karte des Sees, auf welcher die Ostküste später durch von Flelben und berichtigt worden ist. Zur Kenntnis desselben und seiner Umgebung trug dann wesentlich eine Reihe von Reisen und Expeditionen nach dem See und nach Chiwa bei: so die Reise Murawjews 1819, Negris und Meyendorffs 1820 — 21, Bergs 1825 —26, des Akademikers Helmersen 1833 —35, die berühmte Expedition Perowskis 1839, die Reise Aerdenostterung 1840, Antows 1840 — 41, die ekognoszierungen Blarambergs und Romanows 1841, der die unter Nikiferow nach Buchara und Chiwa geschickte Expedition begleitete; ferner die neue Expedition Danjilewskis 1842 — 43, die Untersuchungen von Schulz und Lemm 1843. Die Russen UE Berr sich diese wissenschaftlichen Erkundigungen, Vermessungen u. s. w. zu Nutze, um festen Fuß in Turan zu Hain Schon 1847 errichteten sie in der Gegend Raim, 60 — 65 km von der Mündung des Sir, am rechten Ufer dieses usses, das Fort Raimskoe, und 1848 unter⸗ ——— eine 2 Den in unter Butjakow die Ufer des Sees, außer den östlichen, und die Inseln. Während man seit 1849 in den an ultard ortfuhr, besetzte man mehrere Inseln u, ichui „legte Schanzwerke und Werftplätze an, schaffte Kolonisten herbei und traf alle Wustalte zur Herstellung einer aralischen Flotte. Makschejew, Butjakows Begleiter, veröffentlichte eine vollständige Beschreibung des Sees in den „Memoiren » der Geographischen Gesellschaft zu Petersburg (Heft 5, 1851, mit einer Karte des A. von Chanykow), wovon K. Ritter einen Auszug in den «Monatsberichten) der Berliner Gesellschaft für Erdkunde (1852) mitteilte. Durch den 1873 mit Chiwa abeschlossenen Frieden wurde die Herrschaft Rußands über den ganzen See ausgedehnt, da Chiwa alle Besitzungen am rechten (östlichen) Ufer des Amu-⸗Darja bis zur Mündung in den A. an Rußland abtrat. Infolge davon gründete Rußland bereits im März 1873 das Fort Blagoweschtschenskoje. Vgl. Lerch, Chiwa. Seine histor. und geogr. Verhältnisser (Petersb. 1873); Rösler, «Die Aralram (Eugene; engl. gesprochen: Judschin Ärrämm), der Held eines Bulwerschen Romans, geb. 1704 zu Ramsgill in Aenrscuish erwarb sich bedeutende wissenschaftliche Kenntnisse und eröffnete eine Schule 30 Netherdale, die er 1734 nach der Stadt Knares 22 880 verlegte. Dann führte er jahrelang ein unstetes Leben als Hilfslehrer und Privatgelehrter und faßte den Plan zu einem clern Lexikon der engl., lat., griech., hebr. und kelt. Sprache, von dem der Prospektus noch vorhanden ist. Da wurde 1759 in einer Höhle am felsigen Ufer des bei Knaresborough vorbeiströmenden Flüßchens ein männliches Skelett gefunden, an dessen Schädel tödliche Verletzungen sichtbar waren, und in welchem man den u. 14 K Schuhmacher Clark erkannte, mit dem A. 14 Jahre früher in verdächtiger Verbindung gestanden hatte. A. wurde in Lynn in Norfolk verhaftet und trotz seiner glänzenden Verteidigungsrede 3. Aug. 1759 zum Tode am Galgen verurteilt. Am chte der Hinrichtung 6. Aug., machte er einen vergeblichen Versuch, in seiner Zelle zu entleiben. Er soll sein Verbrechen eingestanden, als Motiv desselben aber nicht Habgier, sondern Eifersucht auf Clark angegeben haben, den er eines unerlaubten Verhältnisses zu seiner Frau für schuldig hielt. In Bulwers Eugene A. ist der Charakter A.s idealisiert, wie auch die wirklichen al As Eeiert vielfach entstellt sind. Das Schicksal A.s lieferte auch den Stoff zu Thomas Hoods Gedicht The dream of Eugene A.v (1829).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 822Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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