FeedHirsch (Max)
Sport & SpielBrockhaus 1882

Hirsch (Max), namhafter Volkswirt und liberaler Politiker, geb. von israel. Eltern 30. Dez. 1832 zu Halberstadt, widmete sich 1850—55 an den Universitäten zu Tübingen, Heidelberg und Berlin dem Studium der Philosophie, der Jurisprudenz und der Staatswissenschaften und unternahm dann eine längere Reise durch Frankreich und Nordafrika, als deren Frucht die Reisewerke zu betrachten sind: „Skizze der volkswirtschaftlichen Zustände in Algerien» (Gött. 1857), Reise in das Innere von Algerien, durch die Kabylie und Sahara v (Berl. 1862). Nach seiner Rückkehr nach Deutschland begründete er zu Berlin das polit. Wochenblatt Der Fortschritto, ging jedoch 1862 nach Magdeburg, wo er alsbald eine ungemeine Thätigkeit im polit., Vereins⸗ und Genossenschaftsleben, insbesondere unter den Arbeitern entwickelte. Nachdem er 1867 nach Berlin übergesiedelt war, widmete er sich ausschließlich den öffentlichen Angelegenheiten. Eine Studienreise nach England und Schottland behufs Kenntnisnahme der dortigen Arbeiterzustände veranlaßte ihn 1868 auch in Deutschland, im Gegensatz zu den Lehren der Sozialdemokratie, die die Versöhnung von Kapital und Arbeit und die materielle, geistige und moralische Hebung des Arbeiterstandes bezweckenden Gewerkvereiney ins Leben zu rufen, welche alsbald in ganz Deutschland Verbreitung fanden. Als Anwalt derselben und als Herausgeber ihres Vereinsorgans Der Gewerk— vereino hat H. bisher besonders durch Gründung nationaler Kranken-⸗, Begräbnis-⸗, Invaliden-, Altersversorgungs- und ähnlicher Kassen, sowie durch Förderung der Genossenschaften und Errichtung von Schiedsgerichten und Einigungsämtern eine ein23. sächs. Wahlkreise (Plauen) in den Norddeutschen Reichstag gewählt, trat er darin der Fraktion der Deutschen Fortschrittspartei bei. Im J. 1877 wurde er vom ersten berliner Wahlbezirk, 1881 von Reuß j. L. in den Deutschen Reichstag gewählt. Hier wirkte er insbesondere zur Wahrung der freien genossenschaftlichen Arbeiterversicherung. H. ist Mit— begründer und Ausschußmitglied der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung, sowie des Vereins für Sozialpolitik. Auf seine Anregung und gemäß seinem Plane wurde 1878 der Wissenschaftliche Centralverein und dessen Anstalt für systematische populärwissenschaftliche Vortragscyklen unter dem Namen «Humboldt-Akademiey begründet, deren Generalsekretär er wurde und an welcher er Vorlesungen über Nationalökonomie, soziale Frage, Finanz- und Versicherungswissenschaft hält. Von seinen volkswirtschaftlichen und publizistischen Schriften sind noch zu erwähnen: für Einigungsämter (Berl. 1872), «Die gegenseitigen Hilfskassen und die Gesetzgebungv (Berl. 1875), „Gewerkvereins-Leitfadend (Berl. 1876, im Verein mit Polke), «Was bezwecken die Gewerkvereine 2 (6. Aufl., Berl. 1884), «Der Staat und die Vergesetz vor dem Reichstagey (Berl. 1883). Hirsch (Rud.), österr. Dichter, geb. 1. Febr. 1816 zu Napagedl in Mähren, studierte 1834 — 38 in Wien die Rechte und praktizierte dann beim Magistrat in Brünn. Aus Liebe zur Musik ging er nach Leipzig, übernahm die Redaction des «Kometen v bis 1843 und wirkte nebenbei als Dichter und Komponist, 1841 gründete er das Album für Gesango (4 Jahrg., 95 1841—43, Wien 1844—45), 1843 ging er nach Osterreich zurück, ward in Triest und Pisiono, später in Wien beschäftigt und starb 10. März 1872. Er schrieb das Drama «Rafaele v (Wien 1836), 4Balladen und Romanzen» (Lpz. 1841; neue Folge, Wien 1845), Buch der Sonettey (Lpz. 1841), «Soldatenspiegelo (Wien 1849; 3. Aufl. 1851), „Irrgarten der Liebes (Wien 1850; 6. Aufl. 1856), 4Lieder ohne Weltschmerzo (Wien 1854), Culenspiegels Tagebucho (Pest 1856) u. s. w. Seine Poetischen Schriften v erschienen in 2 Bänden (Wien 1851). „Hirsch (Siegfried), Historiker, geb. 5. Nov. 1816 in Berlin, studierte in Berlin Jura und Geschichte, habilitierte sich daselbst 1842 und wurde 1844 „außerord. Professor für Geschichte und Staatsrecht. Er starb 11. Sept. 1860. Sein Hauptwerk, die „Geschichte Kaiser Heinrichs II., erschien, von Usinger, Pabst und Breßlau ergänzt, in den „Jahrbüchern des Deutschen Reichs „ (3 Bde., Berl. u. Lpz. 1862 75). Außerdem schrieb er HDDe vita et scriptis Sigibertie (Berl. 1841).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 259Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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