Hirsch (August), namhafter Mediziner, geb. 4. Okt. 1817 30 Danzig, war anfangs für den Kaufmannsstand bestimmt, widmete sich aber seit 1839 zu Berlin und Leipzig dem Studium der Medizin und ließ sich nach Ablegung der Staatsprüfungen 1844 in Elbing, 1846 in seiner Vaterstadt als praktischer Arzt nieder. In den J. 1850—59 veröffentlichte er eine Reihe größerer Abhandlungen über die Geschichte und Geographie der Malariafieber, der typhösen Krankheiten, der Ruhr, der Beulenpest und des Schweißfriesels und faßte in den 0l enden Jahren die Resultate seiner geogr.⸗pathol. Etudien in dem umfassenden und epochemachenden Werk «Handbuch der histor.⸗geogr. Pathologie v 2 Bde., Erlangen 1859— 64; 2. neu bearbeitete fl., 9— 1881—83) zusammen. Im J. 1863 wurde er als ord. Professor der Medizin an die Universität Berlin berufen, wo sich seine Lehrthätigkeit vorzugsweise über Geschichte der pragmachen Medizin, über Geschichte und Geographie der Volkskrankheiten, sowie üher spezielle Pathologie und Therapie erstreckt. Im Winter 1863 — 64 bereiste er im Auftrag der Regierung die vom epidemischen Genickkrampf heimgesuchten Gegenden Westpreußens und veröffentlichte hierüber seine Schrift «Die Meningitis cerebro-spinalis epidemicas (Berl. 1866). Am Deutsch-Französischen Krieg von 1870 und 1871 beteiligte er sich als dirigierender Arzt eines Ministerial-Sanitätszugs. Auf seinen und Pettenkofers Antrag wurde 1873 die «Cholerakommission für das Deutsche Reich v gebildet, als deren Mitglied er im amtlichen Auftrag 1873 die von der Cholera befallenen Provinzen Posen und Westpreußen bereiste und als Resultat seiner Beobachtungen einen ausführlichen Bericht (1874) veröffentlichte. Im J. 1874 beteiligte er sich als Delegierter des Deutschen Reichs an den Verhandlungen der in Wien tagenden Sanitätskonferenz der europ. Staaten und bearbeitete die Beschlüsse der Konferenz bezüglich der Qugrantänemaßregeln; 1875 wurde er zum Geh. Medizinalrat ernannt. Im Winter 187980 begab er sich als Delegierter des Deutschen Reichs nach dem Gouvernement Astrachan behufs Nachforschungen uber die daselbst ausgebrochene Pestepidemie und gab darüber einen ausführlichen Bericht (1880) heraus. Außerdem veröffentlichte er noch: liber die Anatomie der alten griech. Arzter (Habilitationsschrift, Berl. w1864), «Uber Verhütung und Bekämpfung der Volkskrankheiten» (Berl. 1875), „Geschichte der Augenheilkunde (Lpz. 1877, als Teil des großen „Handbuch der Augenheilkunder von Graefe und Sämisch) und zahlreiche mediz.⸗ biographische Artikel in der von der Münchener Historischen Kommission herausgegebenen «Allgemeinen deutschen Biographiev. Auch gab er eine neue Bearbeitung der Abhandlungen Heckers über «„Die großen Volkskrankheiten des Mittelalters v heraus (Berl. 1865) und ist seit 1866 als Mitherausgeber an Virchows «Jahresbericht über die Fortschritte und Leistungen der Medizinv beteiligt.