FeedHeer (Joachim)
GeschichteBrockhaus 1882

Heer (Joachim), schweiz. Staatsmann, geb. 1825 zu Glarus, studierte an den Universitäten Zürich, Heidelberg, Berlin und Paris die Rechtswissenschaften und wurde, als Doktor beider Rechte in die Heimat zurückgekehrt, 1851 zum Mitgliede der Standeskommission, 1852 zum Landesstatthalter und 1857 zum Landammann des Kantons Glarus gewählt, in welcher Stellung er bis 1875 verblieb. Seit 1857 zugleich Mitglied des Nationalrats, nahm H., der mit einem glänzenden Rednertalente ein vielseitiges und gründliches Wissen, praktischen Blick und einen festen, lautern Charakter verband, bald eine ebenso hervorragende und einflußreiche Stellung in der Bundesversammlung ein, wie als Landammann in seinem Heimatskanton. In den J. 1863 und 1869 wurde er zum Präsidenten des Nationalrats gewählt, 1868 als erster schweiz. Gesandter beim Norddeutschen Bunde nach Berlin abgeordnet und 1875 in den Bundesrat berufen, in welchem er 1876 das Post⸗ und Telegraphenwesen, 1877 als Bundespräsident das polit. Departement und 1878 das Handels⸗ und Eisenbahnwesen leitete und unter anderm an der Rekonstruktion der Gotthardbahn thatkräftigen Anteil nahm. Die Rücksicht auf seine geschwächte Gesundheit veranlaßte ihn jedoch schon im Dez. 1878 von seinem Amte zurückzutreten und nach Glarus heimzukehren, wo 1. März 1879 ein Herzleiden dem Leben des allgemein beliebten und hochgeachteten Mannes ein Ende machte. H. war auch Verfasser mehrerer histor. Schriften, unter andern der Biographie seines Landsmannes, des ehemaligen Bundesgerichtspräsidenten Blumer.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 4Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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