FeedHettner (Herm. Jul. Theod.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Hettner (Herm. Jul. Theod.), ausgezeichneter Kunst⸗ und Litterarhistoriker, geb. 12. März 1821 zu Leisersdorf bei Goldberg in Schlesien, besuchte das Gymnasium zu Hirschberg und widmete sich 1838—43 auf den Universitäten zu Berlin, Heidelberg und Halle hauptsächlich philol. und philos. Stüdien. Nach deren Beendigung wandte er sich nach Breslau, um sich für die akademische Laufbahn vorzubereiten. In dieser Zeit erwachte indes immer entschiedener seine Vorliebe für ästhetische, kunst- und litterargeschichtliche Studien, die ihn im Frühjahr 1844 nach Italien führten. Während der drei Jahre, die er daselbst verblieb, weilte er meist in Rom, doch durchwanderte er von hier aus alle wichtigern Kunststätten Ober⸗ Mittel⸗ und Unteritaliens sowie Siciliens. Ostern 1847 habilitierte er sich als Privatdocent in Heidelberg für Asthetik, Kunst- und Litteraturgeschichte. Im Frühjahr 1851 wurde er außerord. Professor in Jena und folgte dann 1855 einem Rufe nach Dresden als Direktor der königl. Antikensammlung und des Museums der Gipsabgüsse (welches letztere ihm eine musterhafte Aufstellung verdankt), sowie als Professor der Kunstgeschichte an der Akademie der bildenden Künste. Im J. 1868 wurde ihm das Direktoriat des Historischen Museums, und 1869 auch dasjenige über das von ihm aufgestellte Rietschel-Museum übertragen. Behufs kunstgeschichtlicher Zwecke bereiste H. seitdem wiederholt Griechenland, Frankreich, England, Belgien und besonders Italien. Er starb in Dresden 29. Mai 1882. H.s Hauptwerk ist die «Litteraturgeschichte des 18. Jahrh. v (6 Bde., Braunschw. 1856 — 70; 3. Aufl. 1870 — 79; 4. Aufl., Bd. 1 und 2, 1881). Diefelbe behandelt im ersten Teile die Geschichte der engl. Litteratur von der Wiederherstellung des Königtums bis zur zweiten Hälfte des 18. Jahrh., im zweiten die Geschichte der franz. Litteratur im 18. Jahrh., im dritten Teil, der seinerseits vier Bände umfaßt, die Geschichte der deutschen Litteratur von der Zeit des Westfälischen Friedens bis zum Tode Goethes; sie ist die geschichtliche Darstellung der von den drei neuern Kulturvölkern in folgerichtiger Fortentwickelung geführten großen Aufklärungskämpfe von ihren ersten Anfängen bis zur Eroberung des modernen Humanitätsideals und der aus diesen Kämpfen Vs abrigen S Philosophie und Dichtung. Von H.s übrigen Schriften sind insbesondere noch hervorzuheben die Vorschule zur bildenden Kunst der Alteno (Oldenb. 1848), „Die romantische Schule in ihrem innern Zusammenhange mit Goethe und Schillere (Braunschw. 1850), Das moderne Dramav (Braunschw. 1852), „Griech. Reiseskizzen » (Braunschw. 1853), Das königl. Museum der Gipsabgüsse zu Dresdens (4. Aufl. 1881), Der Zwinger in Dresdeno (Lpz. 1874), (Forsters Briefwechsel mit S. Th. Sömmerringo (Braunschw. 1877), „«Ital. Studien. Zur Geschichte der Renaissanced (Braunschw. 1879). Seine Abhandlungen und Gelegenheitsreden sind zusammengestellt in den nach H.s Tode von seiner Witwe herausgegebenen «Kleinen Schriften v (Braunschw. 1884). Ausführlicher handeln über ihn Moleschott, &H. Hettners Morgenroto (Gießen 1883); Seuffert im «Archiv für Litteraturgeschichter (Bd. 12); Stern in Westermanns Monatshefteno. Von den Söhnen des Verstorbenen ist Felix H., geb. 1851 in Jena, Direktor des Provinzialmuseums in Trier und litterarisch auf dem Gebiete röm. Provinzialarchäologie thätig, Georg H., geb. 1854 in Jena, außerord. Professor der Mathematik in Berlin.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 200Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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