FeedHirzel
AllerleiBrockhaus 1882

Hirzel ist der Name einer im Kanton Zürich verbreiteten Familie. — Hans Kaspar H., Schriftsteller im Fache der praktischen Philos ophie, geb. in Zürich 21. März 1725, gest. als Oberstadtarzt und Mitglied des Großen Rats daselbst 19. Febr. 1803, machte sich unter Bodmers Leitung mit der schönen Litteratur des 18. Jahrh. bekannt, durchreiste mit Sulzer die Schweiz und lernte in Berlin Gleim, Ramler, Spalding und Sack kennen. Auch lebte Kleist einige Wochen bei ihm, und die von Klopstock in einer seiner schönsten Oden besungene Fahrt auf dem Zürichersee leitete d. und beschrieb sie selbst anmutig. Von seinen Schriften sind zu erwähnen: «Die Wirtschaft eines philos. Bauers» (Zür. 1761; 2. Aufl. 1774), (Das Bild eines wahren Patrioten» (Zür. 1767; 2. Aufl. 1775), An Gleim über Sulzero (2 Bde., Winterth. 1780), «Auserlesene Schriften zur Beförderung der Landwirtschafto (2 Bde., Zür. 1792). — Sein Bruder, Salomon H., geb. 1727 zu Zürich, gest. 1818 als Standessäckelmeister daselbst, stiftete mit Isaak Iselin die Helvetische Gesellschaft und schrieb außer verschiedenen Biographien, die (Zürcherischen Jahrbücher (5 Bde., Zür. 1814). — Hans Kaspar H., der Sohn des zuerstgenannten, geb. 1751, gest. 1817 als Archiater in Zürich, machte sich als Stifter der Hilfsgesellschaft in Zürich und als Arzt und Geschäftsmann sehr verdient. Sein Leben beschrieb Wirz (Zür. 1818). — Jakob H., durch mehrere Sendungen ins Ausland und an die Tagsatzungen rühmlichst bekannt, starb als Staatsrat in Heint 22. Nov. 1829. einrich H., geb. 17. Aug. 1766, studierte in Zürich Theologie, bereiste dann Italien und wurde 1789 Professor der Kirchengeschichte, dann der Loik und Mathematik in Zürich, 1809 Professor der Philosophie am Carolinum daselbst und Mitglied des Chorherrenstifts. Er starb 7. Febr. 1833. Die von ihm herausgegebenen «Eugenias Briefey (2 Bde., Zür. 1806; 3. Aufl., 3 Bde., 1819) sind mit Erinnerungen aus seinem Leben, mit zarten Seelengemälden der Liebe und Freundschaft verwebt. Außer einigen Übersetzungen, wie z. B. von Lullin de Chateauvieux' „Briefen über Italieno (2 Bde., Lpz. 1820 —21) und „Ansichten aus Italien » (3 Bde., Lpz. 1823 —25), gab er auch die „Briefe Goethes an Lavater aus den J. 1774 835 (Lpz. 1833) heraus. — Kaspar H., des vorigen Bruder, geb. 11. Aug. 1785, gest. 25. Jan. 1823, hat sich durch seine franz. Grammatik (Aarau 1820; 19. Aufl. w1881) einen Namen erworben. Er schrieb auch mehreres Politische und eine Astronomie de Pamateuro (Genf 1820). Konrad Melchior H. 911 31. Aug. 1793 in Zürich, gest. daselbst 8. Juli 1843, besuchte zunächst eine Erziehungsanstalt bei Biel, seit 1809 das Gymnasium in Stuttgart, kam 1810 nach Lausanne und studierte zu Heidelberg 1811—13 die Rechte. Die Fronz 1813—15 riefen ihn in die Heimat und zur Grenzbedeckung unter die Waffen. Nachdem er 1814 Advokat geworden, erhielt er 1818 eine Anstellung als Sekretär der Justiz⸗ und Polizeikommission. Gleichzeitig fing er an, Vorlesungen am Politischen Institut in Zürich über Kriminalrecht und Prozeß zu halten, die er bis 1820 fortsetzte. Nach dem Aufstande der Griechen veröffentlichte er die Schrift «Der heiligen Propheten Aufruf Ar Befreiung Griechenlands v (. Aufl. 1822). Auch stiftete er mit Orelli und Bremi einen Griechenverein. Im J. 1823 wurde er zum Oberamtmann des Bezirks Kronau gewählt, kam 1824 in den Großen Rat, wurde 1830 in den neuen Großen Rat und in die Verfassungskommission gewählt, auch im Dez. 1830 nach Bern auf die Tagsatzung gesendet. Nach Annahme der neuen Verfassung des Kantons wurde er im März 1831 Regierungsrat und im Juni Präsident des Erziehungsrats, 1832 Bürgermeister des Kantons, verlor aber 1839 seine Amter und widmete sich fortan der Advokatur; später wurde er wieder in das oberste au Be des Kantons gewählt. Er gab „Beiträge zur Verbesserung der Verfassung des Kantons von 18145 (Zür. 1831) heraus. Bernhard H., Pfarrer in Pfäffikon, geb. 1807 zu Zürich, widmete sich den orientalischen und besonders den Sanskritstudien. Am bekanntesten sind seine Übersetzung von Kalidasas «Sakuntalay (Zür. 1833) und das „Gesicht des Todesboten üher dem Erdkreis v, ein von ihm selbst verfaßtes hebr. Gedicht (Zür. 1844). Sonst sind noch zu erwähnen die Übersetzung des Hohen Liedes (Das Lied der Lieder, oder der Sieg der Treuev, Zür. 1840) und von Kalidasas Urwasi (Frauenf. 1838). An den kirchlichen Bewegungen von 1839 nahm er lebhaft teil und führte 6. Sept. das Landvolk in die Stadt. Vgl. seine Schrift „Mein Anteil an den Ereignissen des 6. Sept. 18395 (Zür. 1839). Er starb zu Paris im Juni 1847.— Ludwig H., Sohn des obenerwähnten Professors Heinrich H., geb. 27. Aug. 1801 zu Zürich, gest. 13. April 1841 als Professor der Theologie an der dortigen Universität, ist durch seinen Kommentar zum Hiob (Lpz. 1839; 3. Aufl., neu bearbeitet von A. Dillmann, 1869) rühmilich bekannt. — Ludwig H., in J des vorigen, geb. zu Zürich 1838, studierte in Zürich, Jena, Berlin, wurde 1862 Lehrer am Gymnasium zu Frauenfeld, 1866 an der Kantonsschule zu Aarau und 1874 ord. Professor der deutschen Sprache und Litteratur an der Universität zu Bern. Er schrieb: «Schillers Beziehungen zum Altertum» (Aarau 1872), «Karl Ruckstuhl, ein Beitrag zur Goethe-Litteratur (Straßb. 1876); auch gab er A. von Hallers „Gedichte (Frauenf. 1882) und dessen «Tagebücher » (Lpz. 1883), sowie Sal. Hirzels Verzeichnis einer Goethe-Bibliotheko (Opz. 1884) heraus. ů

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 265Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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