FeedHerberstein (Sigism., Freiherr von)
GeschichteBrockhaus 1882

Herberstein (Sigism., Freiherr von), Staatsmann und Geschichtschreiber, geb. 23. Aug. 1486 zu Wippach in Krain, studierte die Rechte, wählte aber nachher den Militärstand und focht mit Auszeichnung in dem Kriege gegen die Türken. Der Kaiser ernannte ihn zum Befehlshaber der Reiterei von Krain, erteilte ihm die Würde eines Hofrats und gebrauchte ihn sodann zu mehrern wichtigen Sendungen, namentlich auch 1526 nach Rußland. Später wurde er Geheimrat und Präsident des Finanzkollegiums, zog sich aber 1556 von den Geschäften zurück und starb 28. März 1566 in Wien. Seine Rerum Moscoviticarum commentarii v (lat., zuerst Wien 1549; deutsch, 1557 u. öfter; neu herausg. in Starczewskis «Seriptores exteri saeculi XVI. historiae Ruthenicaes, 2 Bde., Berl. u. Petersb. 1841 —43) sind das beste Werk über das ältere Rußland. Seine bis 1545 reichende Autobiographie, zuerst 1805 zu Ofen in der Sammlung von Kovachich gedruckt, benutzte Adelung in seiner Schilderung H.s (Petersb. 1818). Eine neuere Ausgabe der Selbstbiographie erschien in den Fontes rerum Austriacarumo (Abteil. 1, Bd. 1, herausg. von Karajan, Wien 1855). H.s «Gesandtschaftsreise nach Spaniend 1519 wurde von Chmel (Wien 1846) herausgegeben. Vgl. Adelung, «Krilitterarische Übersicht der Reisenden in Rußlando (2 Bde., Petersb. 1846). Herbert (Edwards, Lord H. of Cherbury), Begründer des engl. Deismus, geb. 1581 auf dem Schlosse Montmorency, studierte zu Orford, machte alsdann weite Reisen, nahm Kriegsdienste und widmete sich darauf dem höhern Staatsdienst. Aus dem altadeligen Hause der Grafen Pembroke stammend, ward H. 1603 zum Ritter von Bath erhoben, lebte 1616 —21 als Gesandter Jakobs I. am Hofe Ludwigs XIII. zu Paris, ward dann Lord von Cherbury, Pair von England, trat aber beim Ausbruch der Revolution auf die Seite des Volks und starb zu London 20. Aug. 1648. Die Kämpfe der verschiedenen Religionsparteien in England führten ihn auf den Gedanken einer natürlichen, allen Menschen gemeinschaftlichen Religion. Als höchste Regel der Wahrheit erscheint ihm die allgemeine übereinstimmung aller Verständigen. Die Vergleichung der verschiedenen Religionen ergibt nun, daß sie alle in gewissen Wahrheiten übereinstimmen. Diese Wahrheiten faßt H. in fünf Sätze zusammen: Es gibt einen Gott; diesem Gott gebührt Verehrung; Tugend und Frömmigkeit bilden den wichtigsten Teil des Gottesdienstes; die Sünden müssen bereut und gesühnt werden; nach diesem Leben empfangen wir für unser Verhalten Belohnung oder Bestrafung. Was die positiven Religionen außerdem noch lehren, ist eine Verfälschung der allein wahren natürlichen Religion und stammt her von Betrug der Priester und kluger Berechnung der Staatsmänner. Die Offenbarung leugnet H. nicht, aber er stellt eine Reihe von Kennzeichen auf, nach welchen jede vorgebliche Offenbarung geprüft werden soll. H.s wichtigste Schriften sind: De veritate, prout distinguitur a revelatione, a verisimili, a possibili eta falsoo (Par. 1624), Dereligionegentilium, errorumque apud éeos causiso (Lond. 1645).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 126Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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