Hirzel (Salomon), namhafter Verlagsbuchändler, Sohn des Professors Heinrich H., geb. zu Zürich 13. Febr. 1804, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt, ging dann nach Berlin, um in der Reimerschen Buchhandlung in die Lehre zu treten, von da auf ein Jahr nach Heidelberg, wo er in der Winterschen Buchhandlung beschäftigt war und auch Vorlesungen an der Universität hörte. Im J. 1830 siedelte er nach Leipzig über, verheiratete sich mit einer Tochter Reimers und trat in die seinem lung ein, welche bald darauf von ihm und seinem Schwager Karl Reimer übernommen wurde. Dieselbe hatte in der zweiten Hälfte des 18. und den ersten Decennien des 19. Jahrh. eine große Anzahl von Werken der berühmtesten deutschen Gelehrten und Schriftsteller verlegt, wie der Philologen Ast, G. Hermann, Heyne, Lobeck, Harleß, Orelli, Schweighäuser, der Geschichtschreiber Joh. von Müller und Schröckh, der Theologen Eichhorn, Schleusner, Zollikofer, des Mathematikers Vega (Logarithmeno), der Dichter und Schriftsteller Gellert, Göckingk, Lavater, Niemeyer, Ramler, Sulzer, Thümmel, Wieland, Zimmermann u. s. w. Auch war in der Weidmannschen Buchhandlung der (Meßkatalogo seit 1759 erschienen. Nach H.s und Reimers Eintritt wurde der Verlag in den eingeschlagenen Richtungen durch neue Verbindungen mit namhaften Gelehrten fortgeführt. Dahin gehören unter anderm das „Handbuch der röm. Altertümervy von W. A. Becker, die Sammlung griech. und lat. Schriftsteller, herausgegeben von Haupt und Sauppe, die Ausgabe mittelhochdeutscher Dichter von Haupt, die „Geschichte der deutschen Spraches von J. Grimm, mehrere histor. Werke von Dahlmann, die philos. Schriften von Lotze, die Exegetischen Handbücherd zum Alten und Neuen Testament, Werke der Theologen Hagenbach und Schweizer u. s. w. Von Werken berühmter deutscher Dichter sind zu nennen Chamissos Werke, Anastasius Grüns Gedichte und Rückerts Als H. am 1. Jan. 1853 ausschied und eine Buchhandlung unter eigener Firma begründete, ging durch die Teilung des bisherigen gemeinschaftlichen Verlags ein großer Teil an H. über, während die Weidmannsche Buchhandlung mit dem andern Teil nach Berlin übersiedelte. Auch H.s neue Firma gewann sehr bald eine große Bedeutung. In seinem Verlage erschienen unter anderm das «Deutsche Wörterbuch der Gebrüder Grimm, das Mittelhochdeutsche Wörterbucho von Müller und Zarncke, die Chroniken der deutschen Städteo, die poetischen und histor. Werke von G. Freytag und H. von Treitschke, die Arbeiten vieler neuern deutschen Geschichtschreiber, Altertumsforscher, Philosophen und Philologen. Im J. 1875 veröffentlichte H. Der junge Goethe. Seine Briefe und Dichtungen von 1764 bis 17765 (3 Bde., mit Einleitung von M. Bernays), ein von ihm selbst seit langer Zeit vorbereiteter Versuch einer Ausgabe von Goethes Werken in chronol. Folge und nach histor. Gesichtspunkten. H.s Privatbibliothek umschloß eine ungemein vollständige Sammlung von Goethes Werken, die er zuletzt in Neues Verzeichnis einer Goethe-Bibliothek, 1761—1874 (Lpz. 1874) katalogisierte; eine neue Auflage, fortgeführt bis 1882 von Ludwig Hirzel, erschien 1884. In allen Dingen, welche sich auf die Detailkenntnis der litterarischen Glanzperiode der Deutschen, besonders Goethes, beziehen, galt H. als Autorität und wurde auch wegen seiner Verdienste um die Goetheforschung am 100. Jahrestage der Inskription Goethes zu Leipzig, 19. Okt. 1865, von der philos. Fakultät daselbst zum Doctor honoris causa ernannt. Auch um die allgemeinen Angelegenheiten des deutschen Buchhandels machte er sich vielfach verdient, besonders als langjähriger Sekretär des Vereins der Buchhändler zu Leipzig. H. starb an den Folgen einer Augenoperation in Halle 8. Febr. 1877. Er vermachte seine Goethe-Bibliothek samt den Handschriften der Universitätsbibliothek in Leipzig, die Sammlung Zwinglischer Schriften der straßburger Universitätsbibliothek. Vgl. „Der junge Hirzel. Als Mannstript für Freunde gedruckto (Lpz. 1883), von Prof. A. Springer verfaßt. Sein Geschäft ging in den Besitz seines ältern Sohnes Heinrich H. (geb. zu Leipzig 11. Okt. 1836) über; ein jüngerer Sohn, Rudolf H. (geb. 20. März 1846), ist außerord. Professor der Philologie zu Leipzig.