FeedHogarth (William)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Hogarth (William), einer der berühmtesten engl. Zeichner, Maler und Kupferätzer, geboren 1697 zu London, lernte anfangs das Goldschmiedgewerbe und widmete 10 nach überstandener Lehrzeit, um seinen Lebensunterhalt zu gewinnen, der Zeichenkunst; doch keine seiner damaligen Arbeiten kündigte ein besonderes Kunsttalent an. Am besten gelangen ihm die Blätter zu Butlers Hudibraso (Lond. 1726). Hierauf versuchte er sich in der Porträtmalerei, und sein Talent, zu treffen und Familienbilder gut zu gruppieren, verschaffte ihm bald viele Arbeit. Im J 1730 verheiratete er sich mit der Tochter des Historienmalers Jam. Thornhill. In dieser Zeit entwickelte sich sein außerordentliches Talent, die Iem ven und Laster seines Jahrhunderts in Bildern vorzustellen. In seinem the harlot's progress, einer Folge von sechs Blättern, die 2000 Subskribenten fand und wovon fünf Gemälde 1755 durch einen Brand zerstört wurden, stellte er 1734 das Leben einer Buhlerin dar; in einer andern von acht Blättern das Leben eines Liederlichen (the rake's progress). Nächst diesen sind unter den Blättern, welche er 1733 — 38 lieferte, am berühmtesten: Southwark fair (der Jahrmarkt in Southwark), a modern midnight conversation (die Punschgesellschaft), the distress'd poet (der arme Dichter) und strolling actresses in a barn (die Komödianten in der Scheune). Nicht zufrieden mit der Höhe, die er in dieser Richtung erreicht hatte, wollte er auch einen ebenso hohen Rang unter den Historienmalern einnehmen. Aber die Unrichtigkeit seiner Zeichnung und besonders ein Mangel an Würde und Grazie waren ihm zur Gewohnheit geworden, und seine Neigung zu karikieren mischte sich wider seinen Willen in seine ernsthaften Kompositionen, wie dies seine Bilder: der Teich von Bethesda, der barmherzige Samariter u. s. w. beweisen. Nachdem er wieder ganz die ihm eigentümliche Richtung eingeschlagen, erschien von ihm: 1741 the enraged musician (der wütende Musikant), 1745 the marriage à la mode (die Heirat nach der Mode) in sechs Blättern, wovon die Bilder für die Nationalgalerie angekauft sind; 1747 the effects of industry and idleness (die Folgen des Fleißes und des onCaan 1749 the gate of Calais (das Thor von Calais), 1750 the march to Finchley (der Marsch nach Finchley in Schottland) und 1751 the four stages of cruelty (die vier Grade der Grausamkeit) in vier Blättern. Im J. 1753 gab er seine „Zergliederung der Schönheit⸗ (deutsch von Mylius, Berl. 1754) in Druck, worin er die Schlangenlinie als die angenehmste Form für das Auge darstellte und sogar die Linien bestimmen wollte, welche die Form des Schönen enthielten. Diese Analyse aber, statt seinen Ruhm zu vermehren, verminderte ihn, und die Zeitgenossen machten sein System lächerlich. Hierauf erschienen 1755 four prints of an election (die Wahl eines Parlamentsglieds) in vier Blättern und 1762 the times (die Zeitläufe), eine beißende Satire auf Pitt. Sein lächerliches Bild Sigismunda (1757), das der schwach gewordene Künstler als ein Gegenstück zu einem vortrefflichen Bilde von Correggio betrachtet sehen wollte, veranlaßte ihm viele Kränkungen. Mehrere bedeutende Gemälde des Künstlers wurden erst im 19. Jahrh. wieder aufgefunden, so eine Reihe Plafondbilder in einem londoner Hause, die Launen Fortunas darstellend, ein Bacchuszug und Garrick bei der Probe. Er starb 26. Okt. 1764 zu Leicesterfields und wurde zu Chiswick begraben, wo man ihm ein schönes Denkmal, welches sein Freund Garrick mit einer Inschrift versah, errichtete. H. hat in der Technik der Darstellung nur mittelmäßige Verdienste. Seine Behandlung ist zwar geistreich, doch meist nur skizzenhaft, seine Farbe manieriert und seine Zeichnung oft unrichtig; auch ist an seinen Radierungen und Kupferstichen die Ausführung meist flüchtig und unbedeutend. Seine Größe liegt im Gedanken, in der Empfindung und in der tiefen Charakteristik seiner Zeit, seines Landes und seiner Individuen. Das ist es auch, was ihm eine Berühmtheit schuf, wie sie sonst nur künstlerische Genies ersten Ranges besitzen; sie ist ihm nicht als Künstler, sondern als Erfinder einer Reihe von Charakteren ohnegleichen zuteil geworden. H.s Gestalten r oft an die Karikatur und liegen chon zum Teil außerhalb der Kunst; aber es lebt in ihnen ein ganz bedeutendes Stück Kulturgeschichte, und dieses sichert ihnen einen unvergänglichen Wert. Seine Radierungen, welche übrigens oft * oberflächlich sind, werden von den bedeutendsten bis zum geringsten Blatte, je nach der Beschaffenheit der verschiedenen Abdrücke, zu hohen, oft ungeheuern Preisen bezahlt. Die Kupferplatten kamen nach dem Tode seiner Frau 1789 an seine Nichte Miß Lewis, die sie an Boydell verkaufte. Eine schöne Ausgabe seiner Werke nach den von Heath retouchierten Originalplatten erschien unter der Leitung von Nichols (3 Bde., Lond. 1820—22), mittelmäßige und verkleinerte Aum. 456 erschienen zu Leipzig (1831 —35; 3. Aufl. 1841) und in Stuttgart (1839—40). Unter den Erklärungen derselben sind zu erwähnen: John Ireland, H. illustratedo (3 Bde., Lond. 1791 —98); derselbe, KGraphic illustrations of H.v (4 Bde., Lond. 1794 — 99); John Trusler, H. moralisedo (Lond. 1768); Cook, H. restored with commentarieso (Lond. 1802; 2. Ausg. mit einer «Clavis Hogarthiana, 3 Bde., Lond. 1808); Clark, «Works of II.„ (2 Bde., Lond. 1817); Lichtenberg, «Erklärungen der H.schen Kupferstiche, mit verkleinerten Kopien derselben von Riepenhauseno (13 Lfgn., Gött. 1794— 1831; neu herausg. mit Einleitung und einer Biographie H.s von Kottenkamp, Stuttg. 1873); The works of H., with descriptionso (Lond. 1833 — 34). Von allen Erklärern steht übrigens Lichtenberg nach dem eigenen Geständnis der Engländer am höchsten. Moögen ihm auch hier und da fernliegende, nur den Zeit⸗ und Heimatgenossen verstendliche Anspielunen entgangen sein, so hat er doch den menschlichen n so scharfsinnig, witzig und voll Gemüt eräutert, wie kein anderer, und den Genuß der Bilder durch seine Zuthaten verdoppelt. gl. Sala, William H.5 (Lond. 1866).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 308Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Bildende Kunst 6