FeedHöheumessung
TechnikBrockhaus 1882

Höheumessung oder Hypsometrie. Die Kenntnis der Höhenverhältnisse des Erdbodens ist ein wichtiger Teil der physischen Geographie. Es war daher überaus wichtig, außer der trigonometr. Messung noch eine leichtere Methode der H. durch das Barometer und Thermometer zu erhalten. Unsere Atmosphäre nimmt nach oben hin an Dichtigkeit ab und übt im allgemeinen einen um so geringern Druck aus, je höher man kommt. Wenn die Temperatur der Atmosphäre überall und stets dieselbe wäre, so würde die Dichte der Luft oder der mit 71 proportionale Druck in geometr. Progression abnehmen, wenn die Erhebung über die Oberfläche der Erde in arithmet. Progression zunimmt. Da aber die Temperatur mit der Höhe abnimmt und überdies wechselt, so ist eine kompliziertere Rechnung erforderlich, um aus dem mit der Erhebung abnehmenden Barometerstande die Höhe zu berechnen. Perrier war der erste, welcher, durch Pascal veranlaßt, 19. Sept. 1648 auf dem Puy-de-Döme bei Clermont durch die Erfahrung bestätigte, daß, wie Pascal zuvor geschlossen hatte, das Quecksilber im Barometer sinken müßte, wenn man das letztere auf einen Berg brächte; Mariotte und Halley gaben neue Regeln an, um Berghöhen aus Barometerbeobachtungen zu berechnen. Allein erst durch Deluc eit der Mitte des 18. Jahrh. haben die barometrichen Messungen einige Genauigkeit erlangt, da derelbe die durch die Wärme auf die Luft und das Quecksilber hervorgebrachten Wirkungen von denjenigen unterschied, welche von ihrer Schwere abhingen. Nach ihm beschäftigte sich im Anfange des 19. Jahrh. besonders Ramond mit diesem Gegenstande. Seit Delucs Entdeckung war die von Laplace vorgeschlagene Formel die genaueste; allein der von ihm angenommene Koeffizient, um das Verhältnis der Gewichte der Luft und des Quecksilbers darzustellen, war zu klein; durch Ramond wurde ein neuer bestimmt. Große Erleichterung bei Berechnung der Höhen nach Barometerbeobachtungen gewähren die auf Laplaces Formel gegründeten „Tabies hypsométriques (Par. 1809; deutsch in Lehmanns Werk Vom topogr. Zeichnen und Aufnehmen », 3. Aufl., Dresd. 1820), sowie Biots „Tables barométriqueso (Par. 1811). Die bequemsten Tafeln, welche noch dazu einen sehr geringen Raum einnehmen, sind jedoch die von Gauß berechneten, die in den meisten neuern Sammlungen von physik. Tabellen, auch in vielen Logarithmentafeln sich finden. Andere barometrische Höhentafeln gaben Garth (1817), Hahn (1823) und XD (1832) eraus; die barometrischen Tafeln von Bessel und Oltmans samt den Gaußschen Tafeln finden sich in dem «„Jahrbucho von Schumacher für 1839. Über die H. mittels des Aneroidbarometers, sowie über die neuern Werke über das Höhenmessen s. Barometrische Höhenmessung. Auch das Thermometer allein kann zur Bestimmung von n größern Höhen, wo der Luftdruck gering ist, siedet nämlich das Wasser bei geringerm Wärmegrad als in kleinern Höhen, und man kann aus der zum Sieden des Wassers erforderlichen, mit dem Thermometer beobachteten Temperatur einen Schluß auf den Luftdruck, mithin auch auf die Höhe machen. Wollaston und seitdem viele andere haben die Thermohypsometrie weiter ausgebildet; das zur H. gebrauchte Thermometer muß sehr empfindlich sein; es wird daher eigens zu diesem Zwecke konstruiert. (S. Hypsothermometer.) über die geodätische und trigonometrische H. s. unter Feldmeßkunst, vgl. auch Baculometrie und Nivellieren.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 318Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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